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Jaques Tati im Gartenbau.

Viennale-Filmschau im Wiener Gartenbau-Kino.

tati Lassen Sie mich, als Tati-Fan seit Kindertagen, vorausschicken, dass ich viele, viele Filme im Lauf der Jahre vergessen habe, ja sogar im Wiederholungsfall Mühe hatte, mich an Szenen zu erinnern. Anders bei Jaques Tati. Auch wenn ich nicht immer mit seiner Art von Kritik konform ging, weiss ich noch genau, wie sein altes Auto in den Ferien des Monsieur Hulot aussieht, ebenso der Hund, der eben dieses nicht Ernst genug nimmt, um von der Fahrbahn zu verschwinden.

Ich erinnere mich genau an die Szene, in der Hulot zum Salzstreuer greift und dabei immer seinem Tischnachbarn den Mund abwischt. An Playtime erinnert mich nicht nur diese Absurdität der Architektur, die legendären Szenen im auseinanderfallenden Nachtklub, sondern durchaus auch die Abfolge der Autos, zuerst nur die kleinen Simca 1000 am Flughafen, dann die Garnison von Simca 1500 vor dem "Royal Garden" und erst recht die grosse Schluss-Szene in der Autos, Motorräder und Busse aller Länder im Kreisverkehr das grossartigste "Ringelspiel" der Welt bilden. Ebenso unvergesslich das himmlische Verkehrs-Chaos in Trafic.

playtime Die "Karusselszene" aus Playtime.

Wer erinnert sich nicht an den genialen Briefträger in Tatis Schützenfest? An die völlig überdrehte Technik in Mon Oncle oder die geradezu unglaubliche Umsetzung der Faszination des Zirkus-Lebens?

Wer setzte sich mit solch unglaublichem Aufwand, mit solcher Liebe ins Detail und mit so viel genialer Komik mit den Problemen dieser immer technisierter werdenen Welt, mit Architektur und mit Freiheit gleichzeitig auseinander und blieb damit mit Filmen aus den 50er bis 70er Jahren bis heute aktuell?

Helmut O. Knall

Einfachheits- und geschwindigkeitshalber veröffentlichen wir hier den Einleitungstext von Viennale-Chef Hans Hurch:

"In der Geschichte des Kinos hat Jacques Tati längst einen ebenbürtigen Platz neben Charlie Chaplin oder Buster Keaton und doch ist er bis heute der Verborgenste unter den großen genialen Komikern geblieben.

Vielleicht weil er zugleich der avancierteste, der radikalste aller populären Filmemacher ist, ein beispielloser «auteur» des modernen Kinos, der mit nur sechs Langfilmen in 30 Jahren den Stummfilm streift, um den Tonfilm neu zu definieren, in 70mm ebenso dreht wie er mit Video experimentiert, in seiner Arbeit die genaueste Stilisierung mit der freiesten Improvisation verbindet.

Tatis Kino ist ein Kino der reinen Paradoxie und vielleicht ist er der letzte Wilde unter uns Zivilisierten, oder der erste Zivilisierte in jener Wildnis, die wir Fortschritt und Moderne nennen.

Während alle anderen von unserer kleinen Welt erzählen, erschafft Tati einen Kosmos, ein filmisches Universum der Alltäglichkeit von Autostraßen, Flughäfen, Hotels, Fabriken, Badestränden, Wohnhäusern und Restaurants. Eine Welt der Freiheit, des Erschreckens, der Anarchie und der Freude.

Tatis berühmte Filmfigur Monsieur Hulot ist ein Widerständiger, zu schnell oder zu langsam für den Rhythmus der Welt, ein Traumwandler, der hellwach das Chaos durchquert, das er heraufbeschworen hat, ein Wissender, der aus dem Staunen nicht herauskommt. Unter Monsieur Hulots neugierigen Blicken und Berührungen zerfällt die scheinbare Ordnung des Mechanischen, geraten die Verhältnisse ins Tanzen und die Zirkulation ins Stocken. «Wohin gerät einer, wenn er außer sich gerät?», fragt Brecht.

«Zu sich, zu sich!», würde Monsieur Hulot stammeln, während sich sein Regenschirm aufs Neue in der Drehtüre des Restaurants «Royal Garden» verhakt hat.

Als Hommage an den großen Jacques Tati präsentieren GARTENBAUKINO und VIENNALE gemeinsam eine vollständige Werkschau seiner Filme. Von den frühen kurzen Arbeiten über die wunderbaren Burlesken "Jour de Fête" (1949)und "Les vacances de Monsieur Hulot" (1953)zu "Mon Oncle" (1958) und den großen radikalen Glücksfällen des Kinos "Playtime" (1967), "Trafic" (1971) und "Parade" (1974). Tati forever!"

Hans Hurch

Zum genauen Programm auf der Viennale-Homepage führt der Link unten.


Zur Viennale-Homepage.
 

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