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Klappe, die Zweite

Crossing Europe 2005: Linz vom 26.April bis 1.Mai.

Lost and Found Der Titel ist Programm: das Festival wird heuer am 26. April mit dem Film "Lost and Found" eröffnet. Der Film wurde bei der Berlinale uraufgeführt und entstand aus Beiträgen von sechs jungen RegisseurInnen aus gleich ebensovielen neuen europäischen Staaten: Estland, Bulgarien, Rumänien, Bosnien-Herzegowina, Ungarn und Serbien/Montenegro. "Konzentriertes, zeitgenössisches junges innovatives Kino" will man laut Festival-Leiterin Christine Dollhofer zeigen, denn: "große Namen, das machen andere Leute". Es besteht hier also die einzigartige Möglichkeit, Filme zu sehen, die wohl kaum in den regulären Kinobetrieb kommen werden (wofür leider auch internationaler Festivalerfolg kein Garant ist). Viele der zahlreichen jungen und scheinbar recht reiselustigen Filmschaffenden werden beim Festival zu Gast sein und dort Frage und Antwort stehen. Ein junges persönliches Kino also, das sich nicht ins doch recht internationalisierte Arthouse-Kino einpassen will.

Ein kleines, feines Low-budget-Festvial

Logo Crossing Europe, eine Plattform für (auch durch Förderpolitik) unterrepräsentierte Kinolandschaften, ist rein rechnerisch eigentlich eine Unmöglichkeit: mit 250.000 EUR Budget und Eigenleistung (die Räumlichkeiten der beteiligten Kinos sowie die dort tätigen Menschen) werden 150 Filme aus 30 Ländern gezeigt (nicht wundern: in der Zahl sind auch Kurzfilme enthalten). Heuer wurde das Programm ein wenig abgespeckt – Christine Dollhofer spricht von „Schritten vor und zurück“. Klar, für eine Stadt wie Linz ist ein eigenes Filmfestival schon eine Art Luxus. Linz wird 2009 allerdings Kulturhauptstadt, und da werden die Förderungen von Bund und Land dann doch aufgestockt. Die Vielseitigkeit des Festivals begründet sich vor allem in den diversen Kooperationen mit Institutionen wie dem Wiener Filmmuseum sowie als Mitglied von CentEast Alliance, einer Kooperation von zentral- und osteuropäischen Filmfestivals, an der auch namhafte Filmfestivals wie Cottbus, Sarajevo und Warschau beteiligt sind.

Eine beeindruckende Programmauswahl

Arbeitswelten Viele österreichische Erstaufführungen finden sich heuer im Wettbewerb Europäisches Kino (mit 10.000 EUR dotiert) sowie im Europäischen Panorama.

Das Tribute ist dem slowenisch-deutschen Künstlerpaar Maja Weiss und Peter Braatz aus Ljubljana gewidmet. Braatz aka Harry Rag von der legendären Punkband S.Y.P.H. wird mit seiner Band auch tatsächlich am 29.4. in der nicht minder legendären Linzer Kapu auftreten (Gerüchten zufolge muss dort noch immer ein von Kurt Cobain himself benutztes Häferl herumkugeln).

Ein besonderer Schwerpunkt des Festivals liegt heuer auf "Erzählungen über Jugendliche und ihre Lebensrealitäten in unterschiedlichen kulturellen Zusammenhängen" (ich liebe Pressetext-Formulierungen: so war das Germanistikstudium nicht umsonst!), dies schlägt sich auch in einer abendlichen Programmschiene über Musik- und Jugendkulturen nieder, hier sei auch ein Kurzfilmprogramm mit Linzer Musik-Videos sowie "Conscious Rap!" - ein Programm mit europäischen Rap-Videos hervorgehoben.

Ein besonders interessanter und im Vorjahr exzellent besetzter Schwerpunkt von Crossing Europe ist das Special Arbeitswelten, heuer zum Thema "Unsichtbare Gegner".

Artist in Residence im O.K.-Zentrum ist die deutsche Künstlerin Corinna Schnitt, die sich aus ironischer Perspektive mit den Ordnungen des Alltags beschäftigt.

Last but not least gibt es das Programm Local Artists (auch hier gibt es einen Preise dotiert mit Euro 6.000), in dem Werke von oberösterreichischen Film- und Videoschaffenden vorgestellt werden. Besonders interessant hier ein Dokumentarfilm über Roberto Scarpinato, einen Staatsanwalt, der im Kampf gegen die Cosa Nostra seines normalen Lebens verlustig geworden ist, nichtsdestotrotz jedoch bei der Vorstellung des Films anwesend sein wird. Weiters ebenfalls ein Dokumentarfilm: "Die Heimat des Realitätenhändlers", Karl Ignaz Hennetmair, nicht zuletzt von Thomas Bernhard literarisch verewigt.

O.K.Zentrum Eine Neuerung ist der Festivalpass um Euro 50,- (ermäßigt Euro 40,-) sowie weitere Angebote wie der vergünstigte 6er-Block und ein Jugendpass für alle bis 19 um Euro 25,-.

Auch kann das Festival seit heuer mit dem ÖBB-Eventticket (30 % Ermäßigung auf den Normaltarif von allen Bahnhöfen Österreichs!) besucht werden.

Das wäre doch ein guter Anlass für ein Frühlingswochenende in Linz, von dem ein lieber Freund, den der Beruf mit Anfang April dorthin verschlug, ganz begeistert (und ehrlich überrascht) feststellte: "Du, Linz ist ja eigentlich total schön!"

CrossingEurope

Linz


 

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