WineTimes Wine-Guide-Austria
Hier geht's zum aktuellen Wine-Guide-Austria in deutscher Sprache, dem ultimativen Nachschlagewerk zum Österreichischen Wein .

12 Tage im Kino.

Ein Viennale'05-Rückblick von Julia Pühringer

 Kurz vorweg: Film und Wein haben mehr gemeinsam, als man gemeinhin annehmen könnte. Knalli und ich hatten darüber schon so manche Diskussion – vor allem, wenn wir beide gerade ganz erschöpft von Verkostungen beziehungsweise Filmvorführungen heimkamen. Also: man kann nur eine begrenzte Anzahl an Weinen und Filmen hintereinander noch halbwegs objektiv beurteilen.

Und genauso, wie viele Verkoster nach einem Abend mit Monster-Weinen nur mehr ein Seidl trinken wollen, freue ich mich nach mehreren Tagen mit Dokumentar- und Problemfilmen auf einen simplen Blockbuster im TV und umgekehrt. Noch etwas: wenn man ganz viele schlechte Weine verkosten musste, findet man rasch einmal etwas gut, was sonst mit relativ wenig Punkten bewerten worden wäre. Nach sieben ganz furchtbaren Horrorfilmen freut man sich auch schon über alles, was darüber hinausgeht.

Man kann bei Weinen und Filmen gleichermaßen nach großen Namen (in letzterem Fall halt von Schauspielern oder Regisseuren) gehen, wenn man sonst noch zu keinen anderen Kriterien in der Lage ist (beim Film ist dies nur nicht an Preisunterschiede geknüpft, es sein denn, man bestellt teure DVD Special Editions aus Übersee). Da wird man sich beim Urteil von der Masse zumeist nicht groß unterscheiden, zeigt allerdings, dass man mehr aber auch nicht zu sagen hat und vor allem die Feinheiten nicht erkennt – es muss weder jeder Scorsese noch jeder Bründlmayer gut sein. Davon abgesehen gibt es immer noch das an Fan-tum grenzende Spezialistentum – wer asiatische Kampffilme mag, wird über spanische Dokudramen genauso wenig schreiben können wie Liebhaber von Mosel-Rieslingen über Sagrantino aus Montefalco.

Die "Lagerfähigkeit" ist bei Film wie Wein nicht eindeutig zu beantworten: manches steht nach Jahrzehnten noch großartig und frisch da, anderes hat Altersnoten. Weine und Filme (und natürlich vieles andere auch) sind Moden unterworfen und kopieren einander.  Manche werden erst nach Jahren für gut befunden, andere verschwinden in der Versenkung oder werden ewig unterbewertet.

Diese Parallelen könnte man noch ewig weiterführen – bis hin zu Ähnlichkeiten im Vertrieb: Viele AmerikanerInnen werden beispielsweise gar nie wissen, welche großartigen unbekannten Weine und Filme es in Europa oder anderswo gibt, weil sie sie gar nie erst zu Gesicht bekommen.

Must sees.

Following Sean, Ralph Arlyck: USA 2004
 "You started out with a film about counter culture and ended up with a film about working class".

Eigentlich füllte der Film nur eine Lücke in meinem Viennale-Plan – daraus wurde dann allerdings eines meiner persönlichen Festival-Highlights. Dies nur als Hinweis auf Möglichkeiten, die Menschen, die sowieso nur in die drei Viennale-Blockbuster gehen, verpassen.

"Wenn es einen typischen Viennale-Film gäbe, dann wäre es vermutlich dieser", so kündigte Hans Hurch diese Dokumentation an. Ein Filmemacher wurde Ende der 60er mit einem Dokumentarfilm über den vierjährigen Sohn einer Hippie-Familie bekannt (vor allem durch dessen verstörende Bemerkung, Gras zu essen und zu rauchen). Nun (be)sucht er den Hauptdarsteller Sean sowie diverse Menschen und Schauplätze von damals. Ja genau: klingt langweilig - ist es aber nicht. Jemand, der das San Francisco der 60er als "emotional goldrush" bezeichnet, kann kein schlechter Mensch/Regisseur sein. Viel persönliche Information über eine Ära, die bei uns so nicht stattgefunden hat und deren Auswirkungen gerade deshalb oft ebenso vergessen wie schwer ersichtlich sind. Wie wir inzwischen alle gelernt haben: auch und gerade das Persönliche ist politisch – die Entwicklung von Familien, die politischen Ansichten von Generationen. Oft ist es gerade die hier nachvollzogene Entwicklung der nächsten vier Jahrzehnte, die das beweist. Sehr liebevoll gemacht, Prädikat: "historisch wertvoll".

Forty Shades of Blue; Ira Sachs: USA 2004

 "Ein Film über und für Erwachsense", so der Regisseur über seinen Film.
Laura, die russische Freundin des alternden Musikers Alan James, lebt mit ihm und dem gemeinsamen kleinen Sohn etwas verloren und heimatlos in Memphis, Tennessee - grandios gespielt vom unvergleichlichen Rip Torn und der aufstrebenden russischen Jungschauspielerin Dina Korzun. Natürlich kann sie mit ihm, obwohl er ein alternder Weiberer ist, ein besseres Leben führen, als es in Russland je vorstellbar war. Trotzdem geht es auch um Liebe.

Was die herrliche Paprika Steen hier in einer Nebenrolle als auf Deutsch singende Sängerin verloren hat, ist nicht ganz klar – der Sprung nach Amerika sei ihr jedenfalls gegönnt. Empfehlung! Die Hauptdarstellerin sowie Regisseur Ira Sachs (Mitbegründer von Dependent Cinema, einer Vereinigung/Selbsthilfegruppe von unabhängigen Filmemachern) waren anwesend und zeigten, dass ein Publikumsgespräch auch spannend sein kann. Sachs’ Bemerkung, die meisten Filme handelten von "men in power" war ebenso schlicht, wie wahr – er wolle sich einmal an den Rand dieser Geschichten und zu den dort befindlichen Charakteren begeben. Der Film ist sehr persönlich, Sachs dürft da auch die Beziehung zu seinem Vater und dessen zahlreichen Frauen bzw. Freundinnen aufarbeiten, dieser war allerdings im Hotelgeschäft, und Sachs erklärte, das gäbe wohl für einen Film nicht soviel her.

Gilda, Charles Vidor: USA 1946

 Ein Lichtblick unter anstrengenden Filmen und ein weiterer Teil des Buenos Aires-Tributes. Ich versteh schon, warum viele Frauen immer noch wie Rita Hayworth sein wollen – sie zieht einen Handschuh aus, und alle sterben. Eigentlich eine Perversion: ein Film Noir mit Happy End. Ballin Mundson hat (1946!) einen überdeutlichen deutschen Akzent und führt ein illegales Casino in einem (sehr fiktiven und im Studio entstandenen) Buenos Aires. Er stellt einen Berufsspieler ein und heiratet eine sehr junge schöne Frau – die beiden haben sich offensichtlich in einem anderen Leben schon gekannt. Und jedes "I hate you – I hate you too" klingt, als ob es um was anderes geht, denn: "hate can be a very exiting emotion". Und niemand redet (Production Code!) über Sex, aber es geht um wenig anderes. Dieser Film wird aus unerfindlichen Gründen nicht alt, und schon gar nicht in der Originalfassung auf der Gartenbau-Leinwand, von der sogar Martin Scorsese behauptet haben soll, dass er für genau solche Kinos seine Filme macht. Und: "Put the blame on Mame" gesungen von der Hayworth wird immer gut klingen!

Horst Buchholz … mein Papa; Christopher Buchholz und Sandra Hacker, Deutschland 2005
Dokumentation von Sohn Christopher Buchholz über den unwillig (keine) Auskunft gebenden alternden Schauspieler. Interviewt werden auch Buchholz’ Frau, deren Bemühen, nicht allzu sehr ins Detail zu gehen, ebenso viel sagend sind wie sein eigenes Schweigen zu Themen wie seiner späteren Homosexualität und seinem Alkoholproblem. Wie sagte seine Frau so schön vorm Standesamt: "I take thee as my [l]awful husband" – sie wusste, wovon sie sprach. Ein Sohn auf Vatersuche, die trotz seiner bewundernswerten Hartnäckigkeit keinen Erfolg hat, aber in eine Annäherung mündet. Sehr gut, das.

Manderlay,

Lars von Trier: Dänemark/GB/Schweden/F 2004

Die Stimmung zuvor im Gartenbau-Foyer nahm vor-den-Rolling-Stones-im-Praterstadion-Ausmaße an, erdrückt wurde zum Glück niemand. Großartig, perfid und zynisch, wie zu erwarten, Bryce Dallas Howard, Isaach De Bankolé, Willem Dafoe und Danny Glover lieferten schweigsam schauspielerische Großtaten, in Nebenrollen glänzten Chloë Sevigny sowie Lauren Bacall - wie gewohnt durfte auch Udo Kier wieder in der Gegend herumstehen und böse dreinschauen. Die Handlung: eine verzogene und wohlmeinende Gangstertochter befreit im guten Glauben, alles besser zu machen, die Sklaven einer Plantage. Nach einem Jahr auf der Plantage ist alles wie zuvor. 

Der Abspann war gröber als es Michael Moore erlaubt und Herr David Bowie sang dazu ein fröhliches Liedlein. Wahnsinn. Anschließend fanden sich ein erschöpfter Danny Glover und etwas überforderter Interviewer zum Publikumsgespräch ein.

Mary, Abel Ferrara: Italien/USA 2005

Der neue Film von Enfant Terrible Abel Ferrara:  Nach den Dreharbeiten zu einem Jesus-Epos Mel Gibsonschen Ausmaßes geht die Darstellerin von Maria Magdalena (Juliette Binoche) in sich und nach Jerusalem. Ein Talkmaster (Forest Whitaker) beschäftigt sich mit den Hintergründen des Neuen Testaments und gerät auch in den Sog des Themas. Ein ungewöhnlicher Abel-Ferrara-Film ganz ohne Christopher Walken und organisiertem Verbrechen, der so exzellent gespielt ist, dass etwaige Lücken in der Handlung nicht weiter stören. Und: niemand geht in einen Abel Ferrara-Film mit der Erwartung, ihn zu verstehen.

ORF 3
 Leider ist sich in meinem Viennale-Programm nur ein Teil dieses Programms über frühere ORF-Produktionen ausgegangen. Aus geheimen Quellen kam mir zu Ohren, dass der ORF über die Idee, alte Sendungen zu zeigen, nicht besonders begeistert war – zu Recht: der Unterschied in Qualität und Waghalsigkeit zwischen früher und jetzt ist erschütternd. Im Filmarchiv werden bis 30. November ausgewählte Beispiele herausragender TV-Sendungen im Metro-Kino zu sehen sein – hingehen, anschauen, traurig sein!

Meine Auswahl war von purem Fan-tum geprägt: ein altes Mick Jagger-Interview war’s, das mich anzog. Unfassbar, was dieser junge Schnösel herzigen ahnungslos recherchierenden Wiener Jungjournalisten nicht zu sagen hatte. Ebenso lustig war das frühe Werk von den "Zwillingen" Dollezal/Rossacher, die 20 Stunden mit Patti Smith in Wien verbrachten, die hier unfassbare Inspiration erwartete und offensichtlich völlig stoned war. Die Frage "wieso gibt’s so was heute nicht mehr im österreichischen Fernsehen?" liegt nahe und wird weiterhin unbeantwortet bleiben – die 50er kommen wieder!

Le Petit Lieutenant, Xavier Beauvois:

Frankreich 2005

Frisch von der Polizeischule gelangt ein kleiner Leutnant unter die Fittiche einer ex-alkoholkranken Polizistin vom Morddezernat in Paris. Exzellent gemachter und gespielter Krimi, der keiner ist, und zeigt, dass man in Andeutungen viel mehr sagen kann, als in alles erklärenden Dialogen. Trotz der überfeschen Polizisten recht glaubwürdig, hier inhaltlich ins Detail zu gehen, würde die Handlung verraten. Einziger Kritikpunkt: ein bisschen weniger Anspielungen auf amerikanische und französische Vorbilder wären auch ok gewesen: welcher Pariser Polizist hat ernsthaft ein Plakat von Un Flic, Reservoir Dogs oder gar Saving Private Ryan im Büro hängen?

Le Promeneur du Champ de Mars/The Last Mitterand, Robert Gueriguian: Frankreich 2004

Ein junger Journalist interviewt den alten, interessanten und leicht größenwahnsinnigen Francois Mitterand für eine Biographie. Dieser betreibt selektive Erinnerung und – wie die meisten alten Menschen – eine Beschönigung seines Lebens. Zwischen den beiden entwickelt sich eine ganz eigene Chemie – ein Kampf um die Wahrheit, aber auch bedingungslose Ehrfurcht und Liebe. Umwerfend gespielt und keine Sekunde langweilig. Auch als Nichtfranzose: anschauen!

Shen nu/The Goddess, Wu Yonggang: China 1934
 Aus dem Special Program Ruan Linyu, dem chinesischen Stummfilmstar. Man sollte meinen, dass „Overacting“ für den Stummfilm typisch war, und dann sieht man so was: eine vielseitige und nahe gehende Schauspielerin, und die Geschichte einer junge Frau, die mangels Alternativen ihren Sohn mit Prostitution durchbringt. Und eine Darstellung wie sie einfacher, schonungsloser und doch gleichzeitig freier von Moralinsäure nicht sein könnte – man bedenke: in China, vor über 70 Jahren, das gibt zu denken. Wahnsinn. Über das furchtbare Pärchen, das neben mir Popcorn im Stummfilm futterte, will ich mich nicht mehr weiter aufregen, dies ist andernorts schon geschehen.

Sir! No Sir! David Zeiger, USA 2005

Wieder ein Teil der Geschichte, der beinah vergessen ist: die Widerstandsbewegung der GIs im Vietnamkrieg. Zeitzeugen und Dokumente beschreiben, was damals passiert ist – in einer Zeit, in der in den USA fast bürgerkriegsähnliche Zustände herrschten. Aber es ist wohl offensichtlich, warum zur Zeit niemandem etwas daran liegt, dass junge RekrutInnen wissen, wie Widerstand gegen das Vaterland schon einmal erfolgreich statt gefunden hat – auch in Zusammenarbeit mit der inzwischen als ausschließlich vertrottelt und bekifft verschrienen Hippiebewegung. Mitfinanziert von Arte und dem spanischen Fernsehen – schon interessant, dass gute amerikanische Dokumentationen in Europa scheint’s begehrter sind. Als Film nicht rasend spektakulär, aber inhaltlich verdammt wichtig. Als Fortbildungsmaßnahme dringend empfohlen!

Vremya zhatvy/Harvest Time,

Marina Tazbezhkina: Russland 2004

Schöner kurzer Film über Traktorfahrerin Antonia in einer Kolchose in den 50erjahren. Ihr wird für vorbildliche Arbeit eine Fahne verliehen, die aber leider von den allgegenwärtigen Mäusen angeknabbert wird, obwohl extra eine Katze angeschafft wird (die dann darauf schläft). Damit dies nicht auffliegt, muss sie diese Ehrung nun Jahr für Jahr erringen und wird darob verrückt – interessanterweise nicht, weil ihr Mann im Krieg beide Beine verloren hat (sie ist nicht ganz grundlos immer noch furchtbar eifersüchtig). Sehr poetisch und ohne Faust-aufs-Aug-Moral. Leider kein Vertrieb im deutschsprachigen Raum – aber wer weiß, vielleicht mal im kulturell wertvollen TV zu sehen.
 

"Interessant"

Assassination Tango,

Robert Duvall: USA/Argentinien 2002

Im Tribute für Buenos Aires fand sich auch dieser Film von und mit Robert Duvall. Ich weiß, das ist böse, aber ab und an kommt es mir schon so vor, als ob alternde US-amerikanische Schauspieler (siehe Clint Eastwood) einfach beschließen, sich in Szene zu setzen, so à la "es soll wo spielen, wo’s interessant aussieht, es viele schöne Frauen gibt, und ich soll cool, jung und dynamisch rüberkommen, auch wenn ich weit über 60 bin – vielleicht ist ja auch ein Regie-Oscar für mich drin". Nein, der Film hat durchaus seine Qualitäten: ein alternder Auftragskiller muss seine Freundin und deren über alles geliebte kleine Tochter in den Staaten zurücklassen, um in Buenos Aires seiner Arbeit nachzugehen. Da das ebenfalls alternde Opfer im Krankenhaus liegt, dauert sein Aufenthalt länger als erwartet und er verfällt der Stadt und einer Tango tanzenden jungen Frau. Schön, vor allem die Tanzszenen, aber keinesfalls perfekt (erklärende Sätze für die, die’s immer noch nicht verstanden haben, wie „sie war die Tochter, die du niemals hattest“ nur als Beispiel). 

Babooska, Tizza Covi/Rainer Frimmel: Österreich/Italien 2005

Dokumentation über ein Jahr im Dasein eines kleinen italienischen Familienzirkus: eine beschauliche Reise durch ausgestorbene italienische Kleinstädte im Winter. Die wöchentliche Routine des Ab- und Aufbaus sowohl des Zirkuszelts als auch der Küchenutensilien und des Setzkastens im Wohnwagen – on the road as can be. Im Wohnwagen hängt über dem Sofa mit Raubtierdruck eine Schlangenhaut, und die Vermutung liegt nahe, es handelt sich um einen ehemaligen Zirkusmitarbeiter. Babooskas kleine Schwester Azzurra zählt am Ende des Jahres ihre Schulbesuche: 28 Schulen in einem Jahr.

Bevölkerungszahlen können entscheidend sein: in einem Ort ohne Kinder hat ein Zirkus nichts verloren. Den Zirkus selbst sieht man erst gegen Ende – und nur einmal aus der Zuschauerperspektive. Eines der Highlights: Babooskas Vater bringt seine kaputten Clownschuhe zum Schuster. Aufgrund der Mitarbeit eines Österreichers darf man hoffen, dieses Film wenn schon nicht in den Kinos, dann wenigstens im TV mal ansichtig zu werden.

Captain Milkshake; Richard Crawford: USA 1970

Dieser Film war Jahrzehnte lang verschwunden. Der Regisseur selber konnte eine der letzten beiden existierenden Filmkopien noch zurückkaufen, die dem Verkäufer als Goodie gratis geschenkt wurde. Inhalt: ein Vietnamkriegssoldat auf Heimaturlaub verliebt sich in ein Hippie-Mädchen. Und wir dachten immer, dass die Thematik erst in den letzten zwei Jahrzehnten aufgearbeitet wurde: Irrtum. Gut, ein bisschen verjährt, aber sehenswert.

Childstar, Don McKellar: Kanada 2004

Ein erfolgloser Experimentalfilmemacher (gespielt vom Regisseur selbst) arbeitet als Chauffeur und muss den verzogenen und pubertierenden Kinder-Filmstar Taylor Brandon Burton, der herumkutschieren. Dessen Mutter (nicht umsonst: Jennifer Jason Leigh) versucht aus alldem Geld zu schlagen und hat mit dem Chauffeur auch eine gute Zeit. Dieser wird dann auch noch nach einer erfolglosen Uni-Karriere der Privatlehrer des Kleinen.

Diverse persönliche Entwicklungen sind vorprogrammiert. Nach einem Dokumantarfilm-lastigen Tag ein Lichtblick, außerdem: zwei der besten Pointen des Festivals. Der Jungdarsteller droht seinem Chauffeur/Lehrer, ihn bei seiner Mutter des Kindesmissbrauchs zu beschuldigen, wenn er nicht tut, wie er will, und meint, sie würde ihm das auch glauben. Der Chauffeur widerspricht – auf die Frage, warum, erklärt er: „Because I fuck her“. Außerdem: am Ende des Films kommt der klassisch postmoderne Film-im-Film, nämlich der, den der Experimentalfilmer über die Familie gemacht hat. Die peinliche Ansage desselben ist exakt dieselbe, die Don McKellar zuvor im Gartenbaukino hielt. Diverse Seitenhiebe auf Hollywoods Beziehungen zu Kanada – dem billigen Drehort ohne nervige Schauspielergewerkschaften sind natürlich aufgelegt. Spaßig, aber nicht wirklich tiefschürfend.

A Decent Factory, Thomas Balmes: Finnland/Frankreich 2004

Dieser Film hätte unglaublich gut ins Arbeitswelten-Programm des Linzer Festivals Crossing Europe gepasst. Die Handlung ist viel versprechend: die für „Ethik“ zuständigen Menschen des Nokia-Konzerns (ein Widerspruch in sich?) reisen zu ihren Zulieferern, um dort die Arbeitsbedingungen zu überprüfen. Allerdings weniger als gute Tat, sondern um sicherzustellen, dass sich Anleger in ethisch korrekten Fonds nicht beschweren können (ungefähr so, wie wenn H&M oder IKEA Programme gegen Kinderarbeit fördern), Strategie: Schadensbegrenzung. Die Zustände dort sind wie zu erwarten eher furchtbar, Mindestlöhne werden nicht gezahlt und auch gar keine Verträge ausgefertigt, weil dies dann aktenkundig würde. Dieser Film ist in vieler Hinsicht wertvoll, bestätigt allerdings wieder einmal das alte Vorurteil, dass Dokumentarfilme schlecht gemacht sind (die Tatsache, dass ich neben einem Filmcutter saß, der mir das im Detail erklärte, machte es nicht besser).

De Battre mon Coeur s’est arrêté/Der wilde Schlag meines Herzens, Jacques Audiard : F 2004

Die Neuverfilmung von Fingers aus 1978 mit Harvey Keitel. Ein junger Kleinkrimineller „im Immobiliengeschäft“ entdeckt das Klavierspiel wieder und erhofft sich damit eine zweite Chance und den Ausstieg aus dem ungeliebten Milieu. Gut gespielt, auch wenn da jemand ein paar Robert De Niro-Filme zuviel gesehen hat und manches auch in Unkenntnis des Originals etwas vorhersehbar ist.

Occupation: Dreamland; Garrett Scott, Ian Olds: USA 2005

Falluja, 2003: junge US-amerikanische US-Soldaten sind in einem Land stationiert und wissen eigentlich nicht warum: "Wen schützen wir?" wird verhandel- und diskutierbar, es gibt keine endgültigen Wahrheiten. Hier sind hauptsächlich Menschen, die sonst keine großartigen Chancen mehr hatten ("I wasn’t exactly a model citizen before the army"): der ehemalige Bassgitarrist einer Death-Metal-Band, verheiratete Jungväter und Schulabbrecher schützen eine Stadt, und wissen nicht, wovor und warum: "I guess somebody smarter than me knows what is going on".

Wahr und unschön, auch wenn die Machart manchmal zu wünschen lässt (ein zusammenhangloser Chorauftritt und sonstiges Schnickschnack mit dem üblichen "Und dann geschah noch dieses und jenes Schreckliche und so und so viele Menschen starben dabei" - Abspann).

Orlando Vargas, Juan Pittaluga: Franreich/Uruguay 2005

Ein Mann, in dubiose Geschäfte verstrickt, fährt mit Frau und Kindern in Grenznähe auf Urlaub und verschwindet. Schöne Bilder, gut gespielt, bin leider aufgrund Schlafmangels in der letzten Reihe des Gartenbaukinos zusammengeringelt eingemützt.

Profils Paysans: Le Quotidien, Raymond Depardon : Frankreich 2004

Es gibt wenig schlimmeres, als wohlmeinende Regisseure von Dokumentarfilmen, die ununterbrochen um Bestätigung heischende Suggestivfragen stellen. Hier geht es um französische Bauerndörfer, die vom Aussterben bedroht sind, weil die Jungen alle in die Städte gehen und die leer stehenden Häuser allenfalls zu Ferienwohnhäusern umgebaut werden. Die gute Absicht des Regisseurs wird allerdings auf einzigartige Weise von den befragten, teils schon sehr alten Bauern und Bäuerinnen unterminiert, deren lapidare Antworten wesentlich viel sagender sind. Auf die Frage an den über 80-jährigen Hirten, ob er wegen seines hohen Alters weniger Tiere beaufsichtigt, antwortet dieser: „Sie werden schon sehen, wie viele Filme Sie noch machen, wenn Sie so alt sind wie ich!“. Auch wenn die Gefahr gering ist, dass so was mal im Fernsehen auftaucht: anschauen!

Sutter kodtid winyan/The Shutter, Banjong Posanthanakun/Parkpoom Wongpoom: Thailand 2004

Nach den großteils enttäuschenden asiatischen Horror-Mitternachtseinlagen des Vorjahres konnte man sich diesmal nur einmal um 1:00 früh gemeinsam mit mehren hundert Menschen genussvoll fürchten. Wenn der Film auch anfangs ein Sammelsurium altbekannter Versatzstücke (I know what you did last summer) zu sein drohte, so wurde es so richtig Furcht einflößend mit einer der interessantesten Horrorfilm-Auflösungen seit langem.  Die letzte Reihe des Gartenbaukinos war der perfekte Ort, um nicht nur den Film, sondern auch die Publikumsreaktionen zu verfolgen – alle, die nachher behaupteten, sie hätten sich überhaupt nicht oder „nur zwei mal“ geschreckt, haben gelogen. Ich hab’s gesehen!

Tang Tang, Zhang Hanzi: China 2004

Ein Bestandteil im – zufälligerweise? – entstandenen Mini Special Programm über die Austauschbarkeit der Geschlechterrollen und gleichzeitig eine Fake-Doku über einen jungen Mann in Bejing, der in Frauenkleidern in Discotheken und bei Weihnachtsfeiern auftritt. Lichtblick: Die sich putzende Katze beim Abschminken des Hauptdarstellers im Hintergrund. Ganz unterhaltsam aber nur mäßig spannend. Was haben wir daraus gelernt? An viel zu vielen Orten weltweit wird Musik von Celine Dion gespielt.

Transamerica, Duncan Tucker: USA 2005

Weiterer Film in oben angesprochenem Mini Special Programme. Die transsexuelle Bree hat nur mehr eine Woche bis zur alles verändernden Operation. Genau dann erreicht sie der Anruf von einem jungen Mann, der behauptet ihr Sohn zu sein, den sie in einem früheren Leben als Mann gezeugt hat. Wildes Roadmovie mit Versatzstücken, die auch durch eine transsexuelle Hauptrolle nicht neuer werden. Lustig ist vor allem, dass Felicity Huffman bei uns vor allem durch ihre Rolle in Desperate Housewives bekannt ist und jede Menge halbbekannte Menschen in Nebenrollen herumgeistern. Nichtsdestotrotz recht unterhaltsam.

Wild River, Elia Kazan: USA 1960

Einer von Hollywoods damaligen Regiegrößen schuf einen Widerspruch in sich: einen Film aus 1960, der am Fortschrittsglauben und am Helden zweifelt. Montgomery Clift (damals schon mit mehr oder weniger zerstörtem Gesicht) in der Hauptrolle als junger Spund, der eine alte Farmbesitzerin überzeugen soll, ihre Insel im Tennessee-River aufzugeben, damit der längst fertig gestellte Staudamm, der viele Dörfer überfluten wird, endlich eröffnet werden kann. Völlig untypisch für damalige (Film-)Verhältnisse wird er von deren Enkeltochter mit Liebe überrumpelt und verhält sich eher unheldenhaft. Ein Happy End mit bitterem Beigeschmack, das seinesgleichen sucht. Und für die, die so was nicht mögen, gibt es immer noch den höchst amüsanten übertriebenen Einsatz von Scheinwerfern und falschem Regen.  

Workingman’s Death, Michael Glawogger: Österreich/Deutschland 2005

 oder: "Er is bald derrisch von da Hockn und er is blind fias Lebm. Weu in da Arbeit, in da Arbeit, do muaß ma ollas gebm" (Kurt Ostbahn/Günter Brödl, frei nach Bruce Springsteen)

Dieser Film gehörte zum Must-See dieser Viennale, da nur sehr wenige große österreichische Premieren im Programm waren – auch viel sagend. Fünf Bilder über Arbeiter in Minen in der Ukraine, beim Schwefelabbau in Indonesien, auf einem Schlachthof in Nigeria, beim Zerlegen von riesigen Transportfrachtern in Indonesien und an den Hochöfen in China. Technisch  umwerfend (Steadycam an kaum zugänglichen Orten), Soundtrack von John Zorn, und eine epische Bildsprache – manchmal dann fast zu schön, eine Art filmischer Bildband über Schwerarbeit.

Hochgelobt – warum?

Match Point, Woody Allen: GB 2004

Der neue Woody Allen mit Scarlett Johansson, bei deren erstem Auftritt das ganze Gartenbaukino kollektiv aufseufzte. Der Inhalt ist mäßig unterhaltsam und so oder so ähnlich schon oft erzählt worden, das klingt nach Schnitzler meets Highsmith: ein gescheiterter Tennisprofi gerät als Tennislehrer an die richtige reiche Familie, heiratet ein und bekommt einen tollen Job. Endlich wird er jemand und bringt zur Wahrung des Status quo auch mal ein, zwei Menschen um. Geht so – und ob die Szenerie jetzt Landhäuser oder Lofts sind, ob man in die Saatchi-Galerie in London oder in entsprechende Venues in New York geht, ist nicht entscheidend. Nicht umsonst in Cannes „außer Konkurrenz“ gelaufen.

Tian bian yi duo yun/The Wayward Cloud, Tsai Ming Liang: Frankreich/Taiwan/China 2004
Wohl der einzige Vertreter des Genres "Melonen-Porno-Musical-Sozialstudie". Leider habe ich die zwei Filme des gleichen Regisseurs davor nicht gesehen, bin mir aber nicht sicher, ob das geholfen hätte. Die Kritiker schwanken zwischen „Meisterwerk“ und „Schwachsinn“ – mit den richtigen Drogen lässt sich vielleicht was draus machen. Sollten Menschen im kommenden Sommer Probleme mit Melonen haben, dann waren sie Viennale-Besucher. Absurd.

Mehr erwartet

Je t’aime moi non plus, Serge Gainsbourg : Frankreich 1975

Kinders, das ist vielleicht ein seltsamer Film. Ein schwules Pärchen in einem LKW auf dem Weg durchs amerikanische Nirgendwo. Zu Beginn stirbt gleich mal ein Vogel auf der Windschutzscheibe (böses Omen für Anfänger). Der eine verliebt sich in einem roadside Diner in die androgyne Jane Birkin. Da er aber eigentlich schwul ist, kann er nur wie gewohnt Sex mit ihr haben. Das tut ihr weh, sie schreit, und sie werden deshalb ständig wegen Lärmbelästigung unterbrochen. Ein Analsex-Film der 1970er-Jahre?

Wenn das ganze nicht so lachhaft wäre und dazwischen nicht ab und an völlig grundlos ein junger Gerard Depardieu auf einem weißen Gaul durch die Gegend reiten würde, wär’s fad.  Der Freund des Verliebten ist natürlich auf die „falsche Frau“ maßlos eifersüchtig, und versucht sie zu ersticken. Dies wird von ihrem Liebhaber verhindert, mehr passiert aber auch schon nicht – die beiden Männer lassen sie nackt und halberstickt stehen und hauen ab. So doof das auch alles klingen mag: gespielt ist es gut, der Score naheliegenderweise nicht schlecht, weil von Serge Gainsbourg. Nichtsdestotrotz liegt der Verdacht nahe, dass der Film damals nicht wegen seiner Verwegenheit in Cannes ausgebuht wurde, sonder aufgrund mangelnder Qualität.

Mahiru no hoshizora/Starlit High Noon, Nakagawa Yosuke: Japan 2005

Ein Film über einen Taiwanesischen Auftragskiller und Hobbykoch (ein Kollege erfand dafür das Wort „Auftragskoch“) auf der Flucht, der sich im Waschsalon verliebt – klingt toll und erinnert an schon Dagewesenes, ist es aber trotz großartiger Optik nicht wirklich.

Midnight Movies. From the Margin to the Mainstream. Stuart Samuels: Kanada, 2005

Ein Film mit einem an sich spannenden Thema: die Zeit in den 1970ern, in denen kleine seltsame Filme durch monatelange Mitternachtsvorführungen zum Kult wurden – Eraserhead, Night of the Living Dead, Rocky Horror Picture Show, etc. Sehr unterhaltsam, aber für Film Buffs nichts Neues – diese Zeit ist inzwischen wirklich gut aufgearbeitet worden. Und ein Regisseur, der damit angibt, aus den Befragten, genau das herausgeholt zu haben, was er hören wollte. Naja.

No Direction Home: Bob Dylan, Martin Scorsese: USA/GB 2005

Also drei Stunden, und dann geht die Dokumentation nur bis Mitte der 1960er? Wenn das so weiter geht… Im Prinzip gut, wenn auch die tatsächliche Mitarbeit von Scorsese nicht wirklich offensichtlich ist (so wie es bei The Band: The Last Waltz zum Beispiel im Gegensatz der Fall war). Die Interviews führte jemand anderer und das Filmmaterial ist aus dem Archiv. Wie auch immer dem sein mag: auch für nicht-Bob Dylan-Fans brauchbar. Ich habe viel gelernt, vor allem passte der Film im Zuge der Viennale gut zu dem nicht deklarierten 60er/70er Special. Aber Dylan nur als unverstandenen leidenden Künstler mit einer tragischen Jugend hinzustellen, ist halt doch ein bisschen einfach - und verfälschend, wie schlimm es auch immer im Minnesota der späten 1940er/frühen 1950er zugegangen sein mag. Trotz Welt-Zweit-Premiere was für Freaks auf DVD zuhause. 

Kult oder Gala?


Wie bei der Programmvorstellung schon ersichtlich wurde, gleicht die Vielfalt in der Programmgestaltung des Festivals schon beinah einem unübersichtlichen Dschungel. Lange Festival-Erfahrung lehrt: es ist sinnvoll, aus jedem Programm zumindest einen Film auszuwählen und sich vor allem jenen Filmen zu widmen, die in Österreich keinen Verleih haben – die anderen kann man zumeist im Laufe des Jahres im Kino bewundern.

Normalsterbliche mit Vierzigstunden-Arbeitswoche und ohne spezielle Filmkenntnisse besuchen, sei’s sicherheitshalber oder wegen der großen Namen, zumeist die VIP-trächtigen Premieren im Gartenbaukino und versäumen so die Chance, kleine cineastische Schätze zu sehen. Wobei auch ich zugeben muss, dass für österreichische Kinoverhältnisse so eine Gala-Vorstellung im ausverkauften Gartenbaukino schon das Größte ist, da kann das Cineastentum schon einmal kurz in den Hintergrund rücken – große Filme auf entsprechender Leinwand in Originalversion und mit Publikumsbeteiligung (Szenenapplaus und Publikumsgespräch) hat man in Wien im Jahr halt nur während dieser Zeit. Menschen, die dieses Gefühl nicht verstehen und den Applaus mit ebensolchem nach der Landung im Charterflieger vergleichen, sind selber schuld und phantasielos.

Aber wie gesagt, wer sich nebenbei noch ein zwei kleinere Produktionen und vor allem auch Dokumentarfilme ansieht, fährt meist besser – auch wenn das überstrapaziert klingen mag, der Vergleich zum Wein liegt bei einem Winetimes-Artikel nahe: wer nur nach großen Namen geht, versäumt nun mal das Beste (abgesehen davon, dass solche Menschen meist keine wahren Kenner sind).

Natürlich kommt auch ein wichtiger Faktor dazu: mehr Kino- und Festival-Erfahrung führt automatisch zu einer höheren Erwartungshaltung.

Nun musste ich leider heuer feststellen, dass bei meiner persönlichen Filmauswahl (37 Filme) die „Trefferquote“ (sprich unerwartet beeindruckende Filme) relativ gering war – vielleicht wäre ich bei einer rein willkürlichen Auswahl besser gefahren. Dies ist insofern besonders schade, als das Festival an sich, sprich die Anzahl der Filme, der bespielten Kinos und auch der Besucher, ja immer größer wird und zunehmend auch an internationalem Status gewinnt.

Soll Wien Venedig werden?


 Die Viennale ist ein Publikumsfestival – das heißt halt auch, dass große vorhersehbare Renner gebucht werden. Da wird dann schon ein an sich gutes Programm mit dem neuen Woody Allen (Match Point) eröffnet, der in keiner Hinsicht besonders ist, es sei denn wegen Scarlett Johansson (die allerdings in jedem Film großartig wäre) oder des für Allen ungewöhnlichen Drehorts Großbritannien, allerdings Premiere in Cannes hatte.

Der Abschlussfilm ist dann logischerweise Good Night, and Good Luck, der neue Film von und mit George Clooney – für amerikanische Verhältnisse sehr kritisch und auch in Venedig mit Preisen beehrt, generell gut aber auch keine Neuerfindung des Kinos. Höhepunkte dazwischen sind die Filme Manderlay, das neue Werk von Alt-Querulant Lars von Trier, die über dreistündige Dokumentation von Altstar Martin Scorsese – No Direction Home: Bob Dylan, bei dem die eigentliche Mitwirkung von Scorsese etwas im Unklaren bleibt, und Mary, der neue Abel Ferrara, alles Filme, die mehr oder weniger in Bälde in unsere Kinos kommen.

Das alles klingt ein bisschen nach Venedig, nur ohne wirkliche Stargäste. Natürlich sind Jane Birkin und Danny Clover nicht irgendwer und vermutlich unter den Besten, die nach Wien kommen. Aber weltverändernde Rollen finden sich in ihren Biographien kaum oder sind doch schon eine Zeit her. Die Viennale befindet sich im Moment in einer Übergangsphase, und das äußert sich leider auch in einer Art Zwei-Klassen-Trennung, oder wie ein Kollege süffisant bemerkte: „Es kann nicht sein, dass ich von Partys und Gesprächen nur erfahre, wenn ich mit der Billeteurin befreundet bin!“.  Es sind oft nur unnötige Kleinigkeiten, die den Festivalablauf für professionelle Besucher stören – stotternde AnsagerInnen, die den Titel, und sei er nur auf französisch, nicht richtig aussprechen können. Anerkannte Filmkoryphäen, die das Publikumsgespräch moderieren sollten, aber alle Fragen an die Zuschauer weitergeben und selbst nur die ein, zwei „aufgelegten“ Fragen stellen, die dann widerspruchslos auch noch ebenso langweilig wie langatmig beantwortet werden.

Da ist es dann schon sehr von Vorteil, wenn ein Fachpublikum anwesend ist, das den Moderatoren ihren eigentlichen Job abnimmt. Eines ist in jedem Fall klar: Die Viennale zählt zu den großen Bereicherungen des Wiener Kulturlebens, und ihre Internationalisierung ist in jedem Fall gut. Das Festival wird noch größer und wichtiger werden. Die konkrete Ausrichtung wird sicher nicht ganz einfach, aber interessant – in welche Richtung und nach welchen Kriterien, bleibt abzuwarten.


 

Powered by Plone

This site conforms to the following standards: