Die Viennale: 15.-27. Oktober 2004
Das Publikumsfestival im neuen Gewand
"Die Filme die hier gezeigt werden, sind nicht schädlich." (Viennale Direktor Hans Hurch frei nach Jean-Marie Straub.
Der Run auf die Tickets ist eröffnet. Wundern Sie sich also nicht über Menschenschlangen im Jonas-Reindl, am Parkring oder vor dem Generali-Center. Und schon gar nicht, wenn das Internet in den nächsten Tagen nur langsam funktioniert. Es ist Cineasten-Zeit: Die Viennale beginnt in wenigen Tagen.
Dieser Artikel ist ziemlich lang.
Kein Wunder, es nicht einfach die Menge der Filme, die verschiedenen Tributes und Specials auch nur annähernd zu erklären. Wir haben uns in diesem Artikel bemüht, das Wesentlichste zusammenzufassen und einige Tipps der Redaktion weiter zu geben.
Das Hauptprogramm umfasst ca. 60 Spielfilme und 40 Dokumentarfilme, dazu kommen die Kurzfilme, die sogenannten "Propositions", die "Tributes", die "Mitternachts-Schiene", die "Specials" und die "Retrospektive". Begleitend gibt es noch "Film-Lections", Diskussions- und Musik-Veranstaltungen. Das alles versuchen wir hier kurz zu erläutern. Tipps von Julia Pühringer und einen kurzen Kommentar von Helmut O. Knall finden Sie am Ende des Artikels.
Das Publikumsfestival im neuen Gewand.
Keine Angst – der Untertitel ist etwas übertrieben, jedoch gibt es bei der Viennale - die völlig zurecht die Bezeichnung "International Film Festival" trägt - heuer zusätzlich zum Altbewährten einige Neuerungen.
So erhält das Hauptprogramm, das ca. 100 Spiel- und Dokumentarfilme sowie Kurzfilme umfasst, mit der neuen Programmschiene Propositions ein „Festival im Festival“, vorgestellt werden 12 ausgewählte Filme jeweils mit Abendtermin „die im aktuellen Weltkino einen besonderen, eigensinnigen, avancierten Moment markieren“ und „ausgewählte, ungewöhnliche, inhaltlich und ästhetisch relevante Positionen“ markieren. Mit der Auswahl (nicht nur) dieser Filme wird vom Veranstalter durchaus auch politisch Stellung bezogen, eine Haltung, die zunehmend rar zu werden scheint.
Es handelt sich dabei um Spiel- wie Dokumentar- oder Avantgardefilme, einige davon sind Welturaufführungen und internationale Premieren, viele Filme wurden bei anderen Filmfestivals schon mit Preisen bedacht.
Für die Viennale-BesucherInnen wurde ein altes Problem gelöst: Was tun, wenn ein Film, der möglicherweise auch nur ein einziges Screening hatte, ausverkauft ist? Dieses Jahr gibt es sozusagen eine "Carte Blanche": Den Zusatztag "Bonus Track" am 28.10, hier werden nicht nur ausverkaufte Filme noch einmal gezeigt, sondern es werden zusätzlich Filme, die erst nach der Frist als zeigenswürdig befunden wurden, vorgestellt - und zwar von 06.00 in der Früh (mit Frühstück!!) bis 24.00.
Ein weiterer Programmschwerpunkt nennt sich "Fear East" –auf der Viennale-Homepage beschrieben als „Mitternachtskino aus China, Japan, Taiwan, Thailand. Verhexte Telefone in Japan, historische Verschwörungen in China, rachsüchtige Gespenster in Thailand und Räuber und Gendarm in Hong Kong“. Das klingt viel versprechend – und wer wollte sich nicht einmal gemeinsam mit ca. 750 anderen nachtwandelnden Cineasten im Gartenbaukino fürchten?
Working Class: Filmlectures.
Eine weitere Neuerung ist eine Serie von drei bis vier Filmlectures, die theoretische und praktische Aspekte des Filmemachens berücksichtigen. So soll der in Österreich mangelde Diskurs über Film verbessert werden. Der erste Gast ist der französisch-amerikanische Filmemacher und Theoretiker Jean-Pierre Gorin, dem auch ein Special Program gewidmet ist.
Tributes: Lauren Bacall und Amos Vogel.
Eines der zwei Tributes ist heuer Lauren Bacall gewidmet, sie wird auch zu Gast bei der Viennale sein (Anlass dafür: ein voreiliges Versprechen der Bacall im Vorjahr aufgrund eines geplatzten Termins).
Ausgewählte Arbeiten der wohl einzigartigen Schauspielerin werden gezeigt, darunter die berühmten Hawks-Produktionen ebenso wie spätere Filme unter der Regie von Altman und anderen, die nach ihrer Abkehr vom Studiosystem Hollywoods entstanden – es fehlen zwar wichtige spätere Werke, andererseits ist ja auch The Big Sleep auf der großen Leinwand des Gartenbaukinos ein Highlight - anders als die schlecht übersetzte Spätnachtversion im TV (natürlich kommen die Filme der Bacall auch im herrlich schön kitschigen Metro-Kino gut). Gespielt werden auch To Have and Have Not von Howard Hawks (USA 1944), die Ur-Version von The Big Sleep, Key Largo (John Huston, USA 1948), The Cobweb (Vincente Minelli, USA 1955), Sex and the Single Girl (Richard Quine, USA 1964), Murder on the Orient Express (Sidney Lumet, UK 1947) und H.E.A.L.T.H. von Robert Altman (USA 1979).
Amos Vogel, aus Wien stammend und 1938 emigriert, begründete im New York der späten 1940erjahre mit seiner Frau Marcia den Filmclub CINEMA 16, der sich innerhalb kurzer Zeit zu einer einflussreichen Institution zur Verbreitung von nicht-kommerziellem Kino in den Vereinigten Staaten mauserte. Präsentiert wurden Avantgarde-, Kurz- und Dokumentarfilme, die sonst in den USA so gut wie nicht gezeigt wurden – durch Vogel wurden Namen wie Kenneth Anger, John Cassavetes, Oshima Nagisha, Jacques Rivette, Roman Polanski, Michelangelo Antonioni oder Robert Bresson auch in den Staaten zum Begriff. Das Tribute umfasst Klassiker wie Pickpocket (Robert Bresson, F 1959), L’Eclisse (Michelangelo Antonioni, I/F 1962) und Lebenszeichen von Werner Herzog (BRD 1968) aber auch Interessantes aus den Bereichen Kurz- und Dokumentarfilm von den späten 20er- bis hin zu den frühen 70erjahren.
Special Programs.
Der Regisseur und Filmdenker Jean-Pierre Gorin ist mit seinen Koproduktionen mit Jean-Luc Godard (Letter to Jane, Tout Va Bien, Lotte in Italia) ebenso vertreten wie mit seinen späteren eigenständigen Arbeiten (Poto and Cabengo, Routine Pleasures, My Crasy Life).
Koreeda Hirokazu
Die Viennale widmet dem japanischen Regisseur die erste vollständige Werkschau seiner Arbeiten - seine frühen Dokumentarfilme waren bisher ausschließlich in der japanischen Originalfassung verfügbar. Neben den dokumentarischen Werken - darunter Kioku ga ushinawareta toki (Without Memory), ein Film über einen Patienten, der aufgrund eines „Kunstfehlers“ sein Gedächtnis verliert, oder Kare no inai hachigatsu ga (August without him) über den ersten Mann, der in Japan öffentlich bekannt gab, durch Sex mit einem Homosexuellen mit HIV infiziert worden zu sein. Auch die erzählerischen Filme werden präsentiert, darunter Daremo Shiranai (Nobody Knows), ein Film über 4 Kinder, die sich quasi ohne Mutter durch’s Leben schlagen.
Die Welt Macht Film.
Ein weiteres Special Program, diesmal vom Filmarchiv Austria, widmet sich den Filmen von Paul Fejos (1897-1963) – "Humanist, Melancholiker, Weltbürger, Ungar". Er arbeitete in Hollywood ebenso wie in Frankreich, Ungarn, Österreich und Dänemark, wandte sich später vom erzählerischen Kino ab und drehte Dokumentationen seiner Expeditionen nach Madagaskar, Indonesien und Peru. Sein wohl bekanntester Film ist der zeitlose Stummfilm Lonesome (USA 1928) über zwei einsame Herzen, die sich an einem Samstag in New York begegnen.
Retrospektive im Filmmuseum.
Eine weitere Konstante bei der Viennale gibt es auch heuer wieder: die Retrospektive im Filmmuseum nennt sich diesmal Die Früchte des Zorns und der Zärtlichkeit und umfasst eine Werkschau von Danièle Huillet und Jean-Marie Straub sowie vom Regisseur-Ehepaar ausgewählte Filme von John Ford. Auch hier fehlen einige der Hauptwerke, dafür gibt es die Möglichkeit, viele der früheren und unbekannteren Filme Fords zu sehen.
Eine Vorauswahl von Julia Pühringer.
Die folgenden Filme sind (im wahrsten Sinne des Wortes großteils „ungschaut“) eine Auswahl der persönlichen Favoriten der Redaktion.
10E Chambre, Instants d´Audience (Raymond Depardon, F 2004)
Dokumentarfilm über die alltäglichen Verhandlungen in einem Pariser Zivilgerichtshof – ein Miniaturportrait der zeitgenössischen französischen Gesellschaft.
5x2 (François Ozon, F 2004)
Der neue François Ozon – vergessen Sie 8 Frauen, der Mann kann wesentlich mehr (Sitcom, Sous Le Sable). Die Lebens- und Liebesgeschichte eines Paares von der Trennung an rückwärts (die erste Begegnung steht am Schluss). Klingt spannend, noch dazu spielt Valeria Bruni-Tedeschi mit (Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr).
Bright Leaves (Ross McElwee, USA 2003)
Der Urgroßvater des Regisseurs war Besitzer einer Tabakplantage. Die Erforschung einer ganzen Kultur und der Rolle der eigenen Familie darin. Anekdoten über die Herstellung eines gesundheitsgefährdenden Produkts mit Filmgeschichte (Bright Leaf von Michael Curtiz).
Chakusin Ari (One Missed Call) (Mike Takashi, Japan 2003)
Handy-Horror in der Mitternachtsschiene.
Dai Si-Gien (Breaking News) (Johnnie To, Hongkong 2004)
Leben oder Tod, Gut gegen Böse – sowohl Einbrecher als auch Polizei setzen bei einem Überfall die Medien für ihre Zwecke ein und versuchen, sich so gegeneinander auszuspielen. Für alle, denen Johnnie Toe ein Begriff ist (Running Out of Time!) ein Muss.
Dieses Jahr in Czernowitz (Volker Koepp, D 2004))
Vertriebene, Geflohene, Verschleppte oder deren Nachkommen suchen die alte Heimat ihrer Familien wieder auf. Darunter auch Harvey Keitel, der von den Krautrouladen seiner Mutter träumt.
Hakoah Lischot (Watermarks) (Yaron Ilberman, Israel/Frankreich 2004)
Sieben Frauen, Meisterschwimmerinnen des jüdischen Sportclubs Hakoah im Wien vor dem Zweiten Weltkrieg. Der Film erzählt ihre weiteren Lebensläufe. Und vereint alle im Amalienbad (!). Empfehlung von Hans Hurch himself.
The Manchurian Candidate
Ich weiß, hab selber von den Hollywood-Filmen abgeraten. Aber allein die Besetzung (Denzel Washington, Meryl Streep, Jon Voight) und der doch ziemlich politische Inhalt (siehe Original) versprechen Einiges.
Metallica: Some Kind of Monster (Joe Berlinger, Bruce Sinofsky, USA 2003)
Eine Dokumentation über Metallica und die Entstehung ihres letzten Albums unter der Beihilfe eines Gruppenpsychologen, der die Querelen unter den verbliebenen Mitgliedern der Band beilegen soll. Klingt lustig, kann aber auch furchtbar fad werden. Vorab-Zitat: „Tension is productive“!
Yi Ge Mo Shong Nu Ren de Lai Xin (Letter of an unknown Woman) Xu Jinglei, China 2004
Die Verfilmung von Stefan Zweigs “Brief einer Unbekannten) – die Geschichte einer lebenslangen Leidenschaft, von deren Existenz der Betroffene nichts wusste.
Zananek (The Ladies) (Mahnaz Afzali, Iran 2003)
„Eine Damentoilette im Zentrum Teherans ist nicht nur Treffpunkt, sondern auch therapeutische Beratungsstelle“ (Zitat Viennale-Katalog).
Weitere Empfehlungen: (Nähere Beschreibungen auf der Homepage oder im Katalog)
Alienations (Malek Bensmaïl, F/Algerien 2003)
Al´leessi…une Actrice Africain (Rahmatou Keita, Niger 2003)
The Atom Strikes (Army Pictoral Service, US Signal Corps for War Dept., USA 1950)
A tout de suite (Benoit Jacquot, F 2004)
Clean (Olivier Assayas F/CA/UK 2004)
Dastan Natamam (Story Undone) (Hassan Yektapanah, Iran/Irland 2004)
Familia Rodante (Rolling Family) (Pablo Trapero, Argentinien/D/F 2003)
Fei-Zao-Ju (Soap Opera) (Wu Ershan, China 2004)
Festival Express (Bob Smeaton, CA/GB 2003)
Die fetten Jahre sind vorbei (Hans Weingartner D/A 2004)
Ganerunghan Byunkwadle (Possible Changes) (Min Byung-Kook, Südkorea 2004)
The Ghosts of Edendale (Stefan Avalos, USA 2003)
Greendale (Bernhard Shakey = Neil Young, USA 2004)
Guerilla: The Taking of Patty Hearst (Robert Stone, USA/GB 2004)
Jarmark Europa (Minze Tummenscheit, D 2004)
Lu Maotze (The Green Hat) (Liu Fen Dou, China/Hongkong 2003)
Parapalos (Ana Poliak, Argentinien 2004)
Maboroshi No Hikari (Koreeda Hirokazu, Japan 1995)
Maarek Hob (In the Battlefields) (Danielle Arbid, F/Bg/Libanon 2004)
Maria, Llena Eres de Gracia (Jushua Marston, USA/Kolumbien 2003)
Mondovino (Jonathan Nossiter, USA/F 2004)
Nicht ohne Risiko (Nothing Ventured) (Harun Farocki, D 2004)
Old Boy (Park Chan-Wook), Südkorea 2003)
Routine Pleasures (Jean-Pierre Gorin, BRD/D/UK 1986)
Die Spielwütigen (Andres Veiel, D 2004)
Trona (David Fenster, USA 2004)
Whisky (Juan-Pablo Rebella Pablo Stoll, Uruguay 2004)
Wu Jiambo (Infernal Affairs) (Andrew Lau/Alan Mak, Hongkong 2002)
Die Viennale: Eine Bedienungsanleitung.
Es kann generell nur zum Erwerb des Kataloges geraten werden (wer sich so wirklich in die Viennale stürzt, hat kaum Chancen, sich jeden Film per Titel zu merken, der Katalog kann noch Jahre später als externer Gedächtnisspeicher dienen). Außerdem schaut er heuer besonders schön aus (ich sage nur weißer Hund auf Magenta).
Auch sind die längeren Artikel zu den jeweiligen Schwerpunkten sehr aufschlussreich und ermöglichen später das Heucheln von Insider-Wissen. Nicht zuletzt behält man ohne Katalog kaum den Überblick über das schier riesige Angebot an Tributes, Special Programs und eigenen Programmschienen.
Und das wichtigste: der Katalog ist ein Überraschungs-Ei für Erwachsene. Jeder Film wird zuerst auf Deutsch, dann auf Englisch beschrieben – das soll aber nicht heißen, dass sich in der englischen Zusammenfassung nicht auch einmal andere Informationen finden. Und es ist jedes Mal eine Freude zu sehen, wie herrlich vage Filmbeschreibungen sein können. Ja, das meine ich ernst: man weiß nie genau, worauf man sich einlässt und muss nach dem eigenen Gefühl gehen – viele Überraschungen sind also garantiert. Wer diese – auch im Kino - nicht liebt, kann immer noch nach den großen Namen gehen. Erfahrungsgemäß sind es jedoch gerade die kleinen unbekannten Filme, die der Viennale die schönsten Highlights bescheren.
Wie Viennale-Direktor Hans Hurch bei der Pressekonferenz betonte, gab es noch nie so viele Filme wie heuer, die (nicht nur) in Österreich keinen Verleih haben, man wird also viele der gezeigten Filme kaum regulär im Kino sehen können. Also auf und ungeniert der Ticket-Verkäuferin japanische, koreanische, türkische und andere für den Durchschnittsösterreicher unaussprechliche Filmtitel ansagen (nach dem ersten Vorverkaufstag können sie zumeist sowieso alle auswendig)!
Auch der Furcht vor Dokumentarfilmen sollte man ab und an ins Auge sehen - so mancher Dokumentarfilm war schon wesentlich ergreifender als der große Abendfilm im Gartenbaukino. Dieses wunderbare (zum Glück vor dem Zusperren bewahrte) Kino ist ein weiterer Grund, unbedingt zur Viennale zu gehen: Vor dieser unglaublich riesigen Leinwand kann man (erprobterweise) Tage und Nächte verbringen und die "vor/nach einem Rock-Konzert"-Stimmung im Foyer steckt jedes Mal an!
Viennale für Wein-Freaks.
Wer meint, immer noch eine Ausrede zu haben: Heuer wird auch eine Dokumentation zum Thema Wein gezeigt: Mondovino (USA/F 2004) von Jonathan Nossiter, dem "Michael Moore der Wein-Globalisierung".
Aus Reisen zu Weingütern in Frankreich, Italien, Chile und Kalifornien stellte Jonathan Nossiter, ein in Paris lebender amerikanischer Künstler und angehender Sommelier, einen Dokumentarfilm über Wein und Winzer zusammen. Der Film zeigt in gut recherchierter und unterhaltender Form Geschichten rund um das Thema Wein. Marketing, Fakten, Philosophien und interessante Geschichten, bis hin zum immer wiederkehrenden Thema Weinbewertungen werden subtil aufgezeigt. Der Film beschäftigt sich nicht zuletzt mit dem unglaublichen Einfluss des Gaumens von Robert Parker und der damit einhergehenden weltweiten Vereinheitlichung des Geschmacks. 20.10.2004, 20:30 Gartenbau, 21.10.2004, 18:30 Urania.
Bei so vielen Filmen können auch Genre-übergreifend persönliche Schwerpunkte nach Interessensgebiet gesetzt werden. Zum Thema Musik finden sich ebenso viele Filme wie zur wirtschaftlichen und politischen Situation eines bestimmten Landes - ein weiterer Grund, sich das Programm genauer anzusehen. Bemerkenswert ist auch der relativ hohe Anteil an Regisseurinnen bei den ausgewählten Arbeiten, etwas, das bei so manchen Festivals noch zu wünschen übrig lässt.
Aufgrund dieser Fülle an Filmen könnte man glatt das Rahmenprogramm vergessen: In der Viennale-Zentrale in der Urania finden jeden Abend Veranstaltungen statt (so betätigen sich am 19.10. FilmemacherInnen an den Plattentellern), weiters gibt es Publikumsgespräche nach den Filmen (kurzfristig auf der Homepage der Viennale und per Newsletter zu erfahren).
Der Vorverkauf begann am 2.10.2004, auch per Internet und Telefon können Tickets erstanden werden. Weitere Informationen sowie auch das gesamte Filmverzeichnis unter www.viennale.at
Ein nachdenklicher Kommentar zum Schluss.
Die Viennale ist wichtig - nein sie ist wertvoll. Nicht nur für Cineasten, sondern vor allem, um Filme ins Land zu bringen, die sonst hier niemals gezeigt würden. Sei es, weil diese Filme keinen Verleiher finden, weil sie nicht in die diversen XX-Beton-Glas-Paläste passen oder einfach, weil es wunderbare Dokumentar-Filme sind, die nie gezeigt werden, wenn sie nicht zufällig von Michael Moore gedreht und gehypt wurden. „Damit greift die Viennale ein bisschen korrigierend in den Kino-Alltag ein“ meint Direktor Hans Hurch durchaus richtig dazu.
Wie schwierig das zu sein scheint, kann man vermuten, wenn bei der Presse-Konferenz nicht der Direktor der Viennale in der Mitte sitzt, sondern der Politiker, der ein wenig unserer Steuergelder dafür bereitstellt.
Dafür gab er dann aber auch Bonmots von sich, die einen ziemlich nachdenklich werden lassen. Da rühmt sich der gute Herr Mailath-Pokorny, dass hier heuer ganze 3 (in Worten: Drei) Filme gezeigt würden, die mit Mitteln der Stadt gefördert wurden. Wirklich? So viele. Nun gut, die Viennale ist nun mal kein Festival des heimischen Filmes, aber diese unglaublich traurige Zahl noch hervorzuheben find ich zumindest mutig.
Missmutig könnte man allerdings werden, wenn der Herr Kulturstadtrat sich dann darüber freut, dass die „Kinolandschaft in Wien neu geordnet“ wurde. Ist denn da auch nur irgendetwas Positives daran, wenn man heute in nahezu allen ehemaligen Kinos nur mehr einkaufen oder sein Konto leeren kann. Ich konnte seinerzeit schon als Volksschüler ganz allein ins Kino gehen, denn die waren einfach um die Ecke.
Heute muss man entweder mit den Kids in die aktuellen Blockbuster fahren oder Angst haben, ob die aus den Einkaufs-Tempeln mit Kinowurmfortsatz auch wieder heil zurückkommen. Denn die „Neuordnung der Kinolandschaft“ ist nichts anderes, als das Verhindern, dass aktuelle Filme in Kinos im Zentrum gezeigt werden. So bestimmen es die, an den diversen Plexxen beteiligten, Verleihfirmen. Und die Stadt sieht tatenlos zu, denn für die Rettung der Kinos im Wohngebiet wurde einfach zu lange nichts getan.
Und seien wir mal ehrlich, das Metro gäbe es ohne das Film-Archiv, das Gartenbau ohne die Viennale und das Filmcasino etc. ohne Enthusiasten doch auch nicht mehr.
Umso mehr freut es mich, dass es genau diese Enthusiasten noch gibt, die ein Film-Museum, ein Film-Archiv, ein Film-Casino, ein Schikaneder, ein Admiral, ein Gartenbau usw. am Leben erhalten – auch wenn hie und da natürlich eine Förderung der Stadt dabei ist. Ohne Sponsoren ginge das aber alles trotzdem nicht. Also gehören all diese Leute viel eher vor den Vorhang, als der zufällig gerade amtierende zuständige Politiker.
Viennale
Filmmuseum