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La Dynamic du Succèss.

Ein Motto für eine Branche in der Krise. Oder doch nicht?

logovinexpo2005 Die Keller der Zahnärzte sind randvoll. Zu viele gute Jahrgänge hintereinander haben Spuren hinterlassen. Die Winzer ignorieren die Flaute.

Die Deutschen kaufen lieber Alu-Felgen, als guten Wein. Geiz ist geil. Zumindest beim Genuss. Die Briten kaufen plötzlich auch Wein, der nicht aus Bordeaux stammt. In französischen Lokalen bekommt man Wein serviert, der die Erträglichkeitsgrenze in den meisten Ländern der Europäischen Union nicht schaffen würde – gäbe es nur eine Kommission dafür. Die Italiener genieren sich nicht, ihren genialen Sangiovese mit Cabernet und Merlot zu verschneiden und ihn in viel zu viel Vanille-Holz einzupacken. Die Spanier leiden unter dem Erfolg mit Sorten, die nicht ins Land passen – und bekommen mächtige Konkurrenz aus Portugal. Beispiele, wie diese, könnte ich lange weiterführen.

Selbst die Hochpreis-Weine, die schon in Fonds – ähnlich Aktien - angeboten wurden, bekamen in letzter Zeit Probleme. Für die Sammler in Europa ist die Preis-Schmerzgrenze überschritten, die amerikanische Wirtschaft lässt selbst gut Betuchte nachdenken, die Japaner kaufen nur Etiketten, die Chinesen und der ehemalige Ostblock brauchen noch…

Kollektives Jammern?

Was also wird hier, auf dieser, wahrscheinlich grössten Weinmesse der Welt passieren? Kollektives Jammern? Sicher nicht. Winzer sind ausgezeichnete Selbstdarsteller. Kollektives „es ist doch eh nicht so schlimm“? Sicher nur teilweise, denn die Messestände kosten so viel, wie noch nie, das Rundherum ebenso. Ein Beispiel? Gerne. Ein Viertelliter Wasser kostet im Café beim Bahnhof 2,80 Euro. Alles klar?

Die Schmerzgrenzen sind erreicht – nein, überschritten. Bordeaux hat Probleme, weil niemand mehr subskribieren will. Die Deutschen erleben zwar gerade einen Riesling-Boom, den eigentlich die Österreicher ausgelöst haben, merken aber gleichzeitig, dass man in Europa eben diesen Riesling trocken will, in Übersee und im eigenen Land aber eher restsüss gefragt ist. Und – dass Geiz nicht nur in Deutschland geil ist.

Die „neue Welt“ hat ganz andere Probleme. Immer grössere Konzerne kaufen die Grossen auf. Ob das gerade die Fosters-Brewery ist, die Southcorp schluckt, ob das eine Transaktion ist, bei der man dem grossen alten Herrn Robert Mondavi eigentlich wünschen müsste, er wäre nicht so alt geworden, oder ein Parfum-Koffer-Mode-Mischkonzern, dessen Chef gerade Champagner oder Wein interessant findet…

Egal.

Tatsache ist, dass grosse, wichtige „Global-Players“ der Weinwirtschaft ihre Messestände hier in Bordeaux storniert haben. Tatsache ist, dass in Australien gute 20% der Trauben in einem ziemlich guten Jahrgang am Stock verfaulten, weil die Preise für die Winzer unakzeptabel waren.

Tatsache ist, dass in vielen Ländern die Preis-Spirale zu hoch gedreht wurde. (Auch bei mir zu Hause – in Österreich). Tatsache ist, dass gerade die „New World“ Weine, die weltweit den Preis ruiniert haben, ein massives Problem haben, weil die Erträge niemals die Flaschen-, Kork-, Etiketten- und schon gar nicht die Logistik- und Marketing-Kosten einspielen.

Der Handel hat natürlich Blut (Gewinn) geleckt und verlangt heute Einkaufspreise und Zahlungsziele, die ruinös sind. Nicht nur für Winzer. Nein, sie bringen damit auch die seriösen Händler, Vinothekare und Gastronomen um, die ohne eine vernünftige Spanne nicht leben können.

Ich könnte jetzt noch einige Absätze weiter schreiben, das Ganze noch in einem grau und rosa unterlegten Kasterl mit Zahlen untermauern. Es würde trotzdem an der Situation nichts ändern.

vinexpokracher (Ob die wohl bemerkt haben, dass sie auf diesem Foto zufällig Östereichs Top-Winzer Alois Kracher drauf haben?) Also muss das Motto „Dynamik des Erfolgs“ wohl eher auf die Messe, denn die Branche ausgelegt werden. Und da funktionierts (noch). Neue klimatisierte Messehallen wurden und werden neben der wohl einzigartigen einskommaachtkilometer (1,8 km) langen alten Halle gebaut. Die Messe ist – trotz aller Absagen – angeblich völlig ausgebucht. (Dass es die Veranstalter auch nicht ganz unbeeindruckt hat, sieht man am erweiterten Service, heuer gibt es erstmals in alle Regionen rundum Gratis-Busse und vieles mehr).

Lassen wir uns also überraschen. Geht’s der Branche wirklich so schlecht, oder ist eh alles in Ordnung? Die Antwort kann man in den nächsten Tagen hier lesen.


vinexpo.com
 

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