WineTimes Wine-Guide-Austria
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Fuge trifft Zauberflöte hiess das Motto.

Geimeinsam schlagen wir die ganze Welt.

Deutschland versus Österreich in einem Schweizer-Hotel aus Singapur. Oder so ähnlich koennte man es auch nennen.

Jedenfalls lud der Verband Deutscher Prädikatsweingüter mit Unterstützung der Österreichischen Weinmarketinggesellschaft zum Riesling-Vergleich in das Swissotel Berlin. Eine profunde Jury von Journalisten und Sommeliers unter der Leitung von Buchautor Norbert Lewandowski bewertete jeweils einen deutschen und österreichischen Riesling pro Flight in einer Blindverkostung.

Schon bei der Zuordnung konnte man das Resultat vorausahnen, denn es war nicht leicht die Herkunft zu erraten und bei nur ganz wenigen, sehr typischen Rieslingen wurde Einigkeit erzielt. Im grossen und ganzen kann man aber eines wohl sagen, hier standen Weine der absoluten Weltspitze zum Vergleich an.

Hier meine persönlichen Notizen und die jeweilige gerundete Wertung der Jury.

Weingut Künstler, Rheingau, 2003 Hochheimer Hölle Auslese trocken.

Schon dieser „Pegelwein“ zeigte, auf welch hohem Niveau es hier langgehen wird: Würziger, mineralischer Riesling-Duft, frische Wiesenkräuter, zarte Steinobst und Zitrusfrüchte. Am Gaumen extraktsüss, knackige Säure, wirkt bei aller Kraft elegant, leicht und spielerisch, von MIneralik geprägte straffe Struktur, ein feingliedriger, eleganter Riesling in den Kinderschuhen, wunderbares Spiel und perfekte Balance, klingt lange zitrusfruchtig nach. 90 Punkte (ich tippte auf Rheingau…)

Weingut Leo Alzinger, Wachau, 2003 Loibner Steinertal Smaragd.

Tiefer mineralischer Duft, feine Kräuternoten, nur sehr langsam entwickelt sich die Frucht, braucht viel Luft um sich zu öffnen, exotische Frucht, Marille und Limette. Am Gaumen dicht und konzentriert, mächtig und vielschichtig, viel Druck und enorme Länge. (Ich tippte auf Alzingers Loibenberg) 92 Punkte. Jury: 90

Weingut Emrich-Schönleber, Nahe, 2003 Halenberg, Grosses Gewächs.

Zitrusfrucht und florale Aromen, in der Nase und kühle mineralische Würze, nach einiger Zeit auch weisser Pfirsich. Am Gaumen saftig, extraktsüss, spritzig, mit frischem Charme und mineralischer straffer Struktur, viel Druck und Spiel, sehr guter Länge, sehr spritzig, aber diese rassige Säure muss man mögen. 89 Punkte. Jury: 92 (Ich tippte auf Saar.)

Weingut Koehler-Rupprecht, Pfalz, 2001 Saumagen Spätlese.

Vielschichtiger, tiefer, rauchig-mineralischer Duft, Marille und Ringlotten, am Gaumen cremig, vollmundig, feine mineralische Würze, dicht und komplex, mit ungeheurem Druck und gleichzeitig feiner Balance, sehr harmonisch, elegant und endlos lang nach klingend. (Dieser Wein ist noch ein Embrio, ich tippte auf Kamptal…). 95 Punkte. Jury: 88 (Aber in zehn Jahren werten die Herrschaften diesen Wein sicher ganz anders…)

Schloss Gobelsburg, Kamptal, 2002 Alte Reben.

Nuancenreich im Duft, mineralisch fast schieferig, exotische Früchte und ein zarter Honigton, am Gaumen vollmundig und dicht, mächtig mit eleganter, perfekt balancierter Struktur, herrliche mineralische Würze, endloses Spiel mit rassiger Säure. (Ich tippte auf Pfalz…) 93 Punkte. Jury: 92

Weingut Dönnhof, Nahe, 2003 Hermannshöhe Grosses Gewächs.

Ganz typischer Bilderbuch-Duft: weisser Weingartenpfirsich und weisse Johannisbeeren, feine mineralische Würze, die mich im allerersten Moment etwas an Kaffe erinnerte, später ein bissl floral nach Lindenblüten. Am Gaumen vorerst weich, kommt erst im hinteren Bereich so richtig in Fahrt, feine extraktsüsse Frucht, sehr mineralisch und mit rassiger Säure, ausgezeichnet balanciert und enorm lang. (Ich tippte auf Rheinhessen). 91 Punkte. Jury: 93

Weingut Bründlmayer, Kamptal, 2003 Zöbinger Heiligenstein Alte Reben.

Warme, "braune" erdige Mineralik, exotische Früchte, Steinobst, Limetten und gelbe Blüten im Duft. Extraktsüsse wunderbare Frucht, vollmundig und dicht, wunderbare Balance, wirkt trotz des mächtigen Körpers und des Alkohols fast leichtfüssig, enormes Spiel und Länge, noch völlig embryonal, sollte für Jahre im Keller reifen, für mich der Sieger der Veranstaltung (ich tippte auch richtig…) 97 Punkte. Jury: 92

Weingut Gunderloch, Rheinhessen, 2002 Rothenberg.

Dicht und konzentriert, erdige, schiefer- mineralische Noten, gelbe Blüten, exotische Noten, feine Kräuter, am Gaumen ein wenig restsüss, aber schönes elegantes Spiel, wieder sehr mineralisch mit feiner Säure und rassigem Spiel im Abgang. (Ich tippte auf Molitor) . 90 Punkte. Jury: 91 (Aber gegen den folgenden Wein war es nicht leicht, mit einem anderen Flight-Partner wären wahrscheinlich ein, zwei Punkte mehr drin gewesen).

Weingut Knoll, Wachau, 2002 Ried Schütt Smaragd.

Noch etwas verschlossener tiefer Duft, frische Kräuter, kühle mineralische Noten, Quitte, Kumquat, mit etwas Luft auch feine Steinobst, am Gaumen saftig, wieder mineralisch, ein wenig erdig, cremig, mächtig, unglaublicher Druck und herrliches Spiel, super, braucht noch Zeit, endlos lang und mit Riesenpotential. (Diesen Wein hab ich sofort erkannt ;-) ) 94 Punkte.

Weingut F.X. Pichler, Wachau, 2003 Dürnsteiner Kellerberg.

Blütenaromen, weisser Pfirsich, Marille und Nektarinen, sehr feine mineralische Noten mit Kerbel und etwas Löwenzahn. Am Gaumen dicht und komplex, mit Mineralik pur, seine Mächtigkeit merkt man überhaupt nicht, so feingliedrig und perfekt balanciert ist dieser Wein, herrliches Spiel mit enormer Power und Länge. (Auch das war ein Heimspiel für mich, sofort auf Kellerberg getippt.) 95 Punkte. Jury: 93

Weingut Wittmann, Rheinhessen, 2003 Morstein Grosses Gewächs.

Nuancenreicher würziger Duft, gelbe Frucht, tiefe mineralische Note, am Gaumen kräftig und dicht, süsse Frucht und trotz aller Kraft spielerisch mit knackiger Säure und enormer Länge, leider etwas herb im Abgang. (Ich tippte auf Keller). 92 Punkte. Jury 93

Weingut Hirtzberger, Wachau, 2002 Singerriedel Smaragd.

Tiefer mineralischer Duft, süsse Steinobst Aromen, ein Lehrbeispiel an Riesling-Duft. Am Gaumen extraktsüss, straffe mineralische Struktur, würzig, kräftig mit wunderbar balanciertem Spiel und rassiger Länge, das macht richtig Spass und hat Riesenpotential (Ich tippte auf Künstler). 95 Punkte.

Weingut Ökonomierat Rebholz, Pfalz, 2002 Kastanienbusch Grosses Gewächs.

Dichter würziger Duft nach Marillen und gelber Frucht. Am Gaumen wieder saftig-fruchtig und mineralisch erdig, kräftiger Körper mit eleganter Struktur und knackigem Spiel, viel Druck und gute Länge. (konnte ich nicht zuordnen). 93 Punkte.

Weingut A. Christmann, Pfalz, 2002 Idig Grosses Gewächs.

Fruchtig, floral, sehr eigene mineralische Note, komplex, am Gaumen geschmeidig und stoffig, wieder sehr fruchtig mit herber mineralischer "kräutriger" Würze, elegant und mit angenehmem Frucht-Säure-Spiel, gut balanciert und sehr lang. (Auch hier wusste ich nicht woher…) 92 Punkte. Jury: 93

Weingut Prager, Wachau, 2001 Achleiten Smaragd.

Gelbe Frucht, Marille, dicht und feuerstein-mineralisch, typischer Terroir-Duft, am Gaumen extraktsüss und saftig, wieder typische sehr herbe Mineralik, kräftig und dicht, feinst balanciert mit Eleganz und Finesse, lang nachklingend, noch immer ein Baby, aber eines mit Riesenpotential. (Ich tippte auf Löwenstein oder Prager). 95 Punkte. Jury: 92

Weingut Josef Leitz, Rheingau, 2003 Berg Rottland Spätlese.

Ein unglaublicher „Nasenwein“, zuerst fast Bratengeruch, wie in der Küche, dann mineralisch würzig, mit Luft immer mehr florale Noten und ein Fruchtkorb; am Gaumen dicht und rund, samtig und vollmundig aber auch sehr alkoholisch, lang und breit mit knackiger Säure, steht für mich noch etwa „nebeneinander“, muss sich wohl erst einbinden, daher derzeit „nur“ 89 Punkte. (Ich tippte auf Deutschland, wusste aber, den Wein kenne ich nicht…)

Weingut Nigl, Kremstal, 2003 Piri Privat.

Im Duft sehr dicht und würzig, noch ziemlich verschlossen, Kräuter, Nektarinen und Limetten, Zitronenzeste, am Gaumen dicht und kräftig mit Riesenkraft, nuancenreich und vielschichtig mit "Nerv", toll gemacht mit elegantem Säurespiel , muss noch eine Weile reifen. 93 Punkte.

Zum Abschluss gab es noch eine (süsse) 2002 Auslese Goldkapsel von Fritz Haag, die ich aber einfach genoss, ohne mir etwas zu notieren, es war schon schlimm genug, bei diesen herrlichen trockenen Weinen spucken zu müssen.

Resume:

Natürlich könnte man jetzt die Auswahl kritisieren und den einen oder anderen Winzer vermissen, so eine Verkostung ist aber immer eine subjektive Auswahl und man kann dem Norbert Lewandowski durchaus danken, das war schon eine sehr gute Zusammenstellung – auch innerhalb der Flights.

Noch zum abschliessenden Jury-Ergebnis: Die Sieger hiessen Knoll und Wittmann ex aequo, genauso ist das Länder-Ergebnis gerundet: 92 zu 92 Punkte. (Ich als alter Patriot hab mir natürlich auch die Zehntel angesehen und da haben wir dann 92,13 zu 91,93 doch gewonnen, obwohl die Jury doch deutsch-lastig war).

Dem Service des Swissotel noch ein Lob, auch wenn mal was vertauscht war oder jemand Kork reklamierte (das leidige Thema: 4x Kork, bei einem Wein sogar 3 Flaschen, sodass nicht einmal alle Teilnehmer versorgt werden konnten), wurde rasch und freundlich reagiert.

Das abschliessende „Walking-Dinner“ liess das Talent des jungen Küchenchefs Tim Raue aufblitzen, aber das wird eine andere Geschichte.

Alles in allem eine wunderbare Veranstaltung, die sich ein paar Weinfreunde mehr verdient gehabt hätte, so eine Konzentration grandioser Weine bekommt man nicht alle Tage.


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