Tolle Deutsche.
Besuch in der Pfalz, Rheinhessen und an der Terrassenmosel.
Besuch bei der quirligen Dame.
Weingut Karl Schaefer, Pfalz.

Ein Weingut, das wohl zu Unrecht im Schatten bekannter Namen steht. Hier gibt es Weine zu moderaten Preisen, die wohl zu den besten der Pfalz zählen. Mein Besuch war leider durch die Verspätung der lieben Bahn von insgesamt knapp 2 Stunden viel zu kurz, um eine ausgiebige Verkostung mit Notizen zu machen, daher nur so viel: Von der Basisqualität bis zu den Top-Lagenweinen durchgängig hohe Qualität, traditionell ausgebaute Weine, die Charakter zeigen und viel Trinkspass fürs Geld bieten. Eine reizende Gastgeberin, Gerda Lehmeyer, die mit Witz und Charme Anekdoten zum Besten gibt, bei der man trotz Zeitdruck statt der drei bis vier Weine, die man „gschwind“ kosten wollte, dann über zehn trinkt, weil sie zum spucken zu schade sind. Bei meinem nächsten Deutschland-Trip nehme ich mir gewiss mehr Zeit für dieses Weingut. Bei der VDP-Präsentation zählt der „Michelberg“ Riesling aus diesem Haus mit 90 Punkten bei mir jedenfalls zu den besten.
Weingut Karl Schaefer
D-67098 Bad Dürkheim, Weinstrasse Süd 30 +49 6322 2138
Kostnotizen von Marcus Hofschuster findet man hier:
http://www.wein-plus.de/weinfuehrer/Weingut+Karl+Schaefer_748.html
Der Tausendsassa.
Weingut Köhler-Rupprecht, Pfalz.

Wenn eine Casting-Agentur einen „gstandenen“ Winzer suchen würde, hier fänden sie ihn. Gross, etwas mehr als vollschlank, ein Händedruck, der viel Arbeit signalisiert, wache Augen in einem ausdrucksvollen Gesicht und meist ein verschmitztes Lächeln unter dem struppigen Bart versteckt. Gäbe es Bernd Philippi nicht, man müsste ihn erfinden. So wie er sind seine Weine: gross und mächtig, mit Potential für viele Jahre. Weine, wie der 1998er „R“ sind Monumente der deutschen Weinszene.
Neben der „klassischen“, traditionell ausgebauten Serie, die unter Weingut Koehler-Rupprecht auf den Markt kommen, gibt es eine zweite Schiene mit Barrique-Burgundern in weiss und rot, die seinesgleichen in Deutschland suchen. Diese Weine werden mit „Philippi“ etikettiert.
Rastlos jettet Bernd um den Globus, sein Meilenkonto sprengt die Vorstellungskraft. In Südafrika betreut er das Weingut Mont du Toit, auf Mallorca beginnt er gerade mit der Weinlese, in Südfrankreich produziert er den Mas D’Andrum, im Douro-Tal Portugals hat er sich gemeinsam mit Bernhard Breuer und Werner Näkel das Weingut Cinta di Carvolhosa zugelegt und nebenbei berät er auch noch einige andere Weingüter.
Wie er das schafft, ist vielen ein Rätsel. Wenn man aber von ihm erzählt bekommt, dass er gerade alles eigenhändig verladen hat, was er bei der Weinlese auf Mallorca brauchen könnte, weil er „keine Lust hat eine Stunde herumzufahren, um irgendwo einen Gummihammer aufzutreiben“, merkt man, dass in dem gemütlichen Bären ein ziemlich guter Organisator stecken muss.
Die 2004er waren alle, bis auf den „einfachen“ Guts-Riesling noch nicht fertig, der Gutsriesling lässt aber bereits ahnen, was da wieder Gutes im Keller heranreift, denn der war schon von kräftiger Statur und Ausdruckskraft, ein wirklich feiner Trinkspass.
Wenn man ihn besucht, am besten ein Abendessen und die Übernachtung im „Weinkastell zum weissen Ross“ mit einplanen, das ist gleich anschliessend zum Weingut und wird von Bernds Schwester Jutta und ihrem Mann Norbert Kohnke geführt. Herrliches Essen, Philippi-Weine und lustige Zimmer, alles durchaus erschwinglich, machen den Aufenthalt zum Genuss.
Weingut Koehler-Rupprecht und Weinkastell „Zum weissen Ross“
D-67169 Kallstadt, Weinstrasse 80-82, +49 6322 5033
Bewertungen von Marcus Hofschuster finden Sie unter:
http://www.wein-plus.de/weinfuehrer/Weingut+Koehler-Ruprecht_852.html
Weinhaus Henninger.
Wenn die beiden grade mal Ruhetag haben, gehen Sie einfach schräg über die Strasse zu Franz Weber und seinem Koch Christoph Braunstein aus Österreich, die das Weinhaus Henninger zu einem besuchenswerten Treffpunkt machen. Eine wechselnde saisonal abgestimmte Speisekarte mit typischen regionalen Klassikern, wie den Saumagen oder Griebenwurst, in ordentlicher Qualität, dazu eine reichhaltige Weinkarte, die auf Anfrage von Franz Weber durch Kellerschätze ergänzt wird und gemütliches Ambiente. Alles zu durchaus leistbaren Preisen, Gastfreundschaft gross geschrieben.
Weinhaus Henninger.
D-67169 Kallstadt, Weinstrasse 93, +49 6322 2277
Der Durchstarter aus Rheinhessen.
Weingut Wittmann, Rheinhessen.

Philipp Wittmann ist einer der Jungen, die im Moment Deutschlands Weinszene kräftig umkrempeln. Seit einigen Jahren ist er am Weg zur Spitze. Seine Aushängeschilder heissen nach ihren Lagen: Kirchspiel, Aulerde und Morstein und zählen zum Besten, was ich in der VDP-Präsentation unter die Nase bekam.
Der zusammen mit seinen Eltern streng nach ökologischen Richtlinien arbeitende Philipp Wittmann erzählte mir beim Besuch am Weingut auf meine Verwunderung, weil ich seine 2004er durch die Bank für besser als je zuvor fand - vor allem die meist spitze Säure ist diesmal wunderbar integriert – dass er 2004 erstmals das Schädlingsproblem voll im Griff hatte und die Trauben daher länger am Stock reifen lassen konnte. Die Jahre davor musste er meist früher als sein Kollege und Freund Klaus-Peter Keller lesen, weswegen der meist höhere Qualitäten erreichte. Heuer ist der Unterschied marginal, auch wenn das manche meiner Kollegen anders sehen, für mich sind beide Spitze. Beim Morstein hab ich den Keller ein wenig voran, beim Kirchspiel allerdings Wittmann.
Auch bei Wittmann merkt man schon bei den Basis-Weinen, dass hier sehr gut gearbeitet wurde. Wo bei anderen phenolische Bitternoten den Ton angeben, ist hier Frucht und Eleganz im Glas. Fruchtbetonte Weine mit feiner mineralischer Struktur, die Lagen sehr fein herausgearbeitet und blind wieder erkennbar. Kaufen!
Weingut Wittmann
D-67593 Westhofen, Mainzer Strasse 19, +49 6244 90 50 36
Wertungen von Marcus Hofschuster finden Sie unter:
http://www.wein-plus.de/weinfuehrer/Weingut+Wittmann_1243.html
Der Extremist.
Weingut Heymann-Löwenstein. Terrassenmosel.

Ich kenne viele Winzer. Keiner ist wie Reinhard Löwenstein. Der ehemalige Revoluzzer ist nun der Vordenker des VDP. Niemand arbeitet extremer an seinen Lagen, die natürlich hier auch extrem sind. Steillagen in Schwindel erregenden Höhen 300 Meter über der Mosel. Die Riesenlastkähne sehen von hier oben ebenso wie die Eisenbahn wie Spielzeug aus. Wenn ich hier im Weinberg arbeiten müsste, ich würde mich anseilen, das ist klettern zum Weinstock.
Extreme Weinberge mit extrem aufwändiger Handarbeit. Extrem auch im Keller.
Manche Kollegen halten ihn sicher für verrückt. Aber ist es verrückt, wenn man sich Rutengänger holt, um die Wasseradern unter den Fässern zu eruieren, ist es verrückt, wenn man versucht mit überliefertem Wissen ungute Strahlungen zu minimieren, das haben schliesslich schon die Ägypter praktiziert, das Wissen ist uns ja nur irgendwann verloren gegangen. Ist es verrückt die natürlichen Hefen arbeiten zu lassen, wie sie wollen und nicht ständig mit künstlichen Hefen nachzuhelfen?
Naja, ein bisschen vielleicht, dachte ich bei mir, denn wenn im späten August noch einige Tanks kräftig blubbern, fragt man sich halt auch, ob die fertig sind, bevor die neue Ernte da rein soll. Die anders arbeitenden Winzer haben einen guten Teil ihrer 2004er schon verkauft. Das muss man sich auch erst einmal leisten können – und lange Zeit hat er wohl auch ganz schön gekämpft. Heute sind seine Rieslinge vom Röttgen oder Uhlen schlicht Kult.
Die einzigen 2004er, die bereits in einer ersten Füllung am Markt sind, sind die Basisweine „Von den Terrassen“ und „Vom blauen Schiefer“, beide fein mineralisch, mit guter Struktur, noch etwas verhalten in Duft und Frucht, aber bereits schön zu trinken, wenn man ihnen Zeit und Luft gibt. Unsere waren nach ca. zwei Stunden schon recht fruchtig und knackig, viel Trinkspass.
Die ganzen Lagenweine, die wir im Keller aus den Tanks und Fässern probieren konnten, zeigen viel Extrakt, sehr ausgewogenes Frucht-Säure-Spiel und ganz deutlichen Lagen-Charakter. Tolle Weine reifen hier heran, so viel ist sicher.
Auf die Frage, warum er sich das „antue“ jetzt im VDP den Vize-Präsidenten abzugeben, meint er verschmitzt: „Ich habe jahrelang versucht, politisch was zu verändern. Aber das wollten die Leute nicht hören. Dadurch habe ich aber viel gelernt. Daher kann ich in den Sitzungen des VDP viel erreichen, dort hört man mir zu.“ Für den Job des Präsidenten wäre er allerdings völlig ungeeignet, das Händeschütteln mit Prominenten und die Öffentlichkeitsarbeit könne Prinz zu Salm-Salm viel besser als er. Der Präsident zeigte sich übrigens auf der Pressekonferenz in Wiesbaden „hocherfreut, so einen profunden Mitstreiter im Boot zu haben“.
Dem VDP konnte wohl kaum was Besseres passieren. Uns treuen Löwenstein-Fans können wir nur wünschen, dass dem Reinhard Löwenstein weiterhin genug Zeit bleibt für seine Kraxeleien in den Felsen…
Wenn Sie, geschätzter Leser, einmal in die Gegend kommen, machen Sie einen Termin aus, wenn Reinhard Zeit hat, fahren Sie mit ihm in die „Steilwand“; anders werden Sie seine Weine sowieso nie verstehen. Empfehlenswert: Vorher die umfangreiche Website inklusive der Veröffentlichungen studieren.
Weingut Heymann-Löwenstein
D-56333 Winningen an der Mosel, Bahnhofstrasse 10
+49 2606 1919
Bewertungen von Marcus Hofschuster:
http://www.wein-plus.de/weinfuehrer/Weingut+Heymann-Loewenstein_598.html