Rüdesheimer Juwelen.
Wenn einem also Gutes widerfährt, ist das ein Glas Breuer wert.Rüdesheim am Rhein bietet alles, was den Rummel-Touristen angeblich freut. Für mich ist das ein Horror. Aber ich steh auch weder auf Musikantenstadl noch auf Club-Urlaub. Ich l(i)ebe Genuss. Und da ist man bei der Familie Breuer in den besten Händen. Im Rüdesheimer Schloss gibt es Zimmer, künstlerisch gestaltet und so gross, dass man zwischen Bett und Bad einen Hubschrauber braucht. Genau das richtige, wenn man nach einer Weinprobe und gutem Essen nach drei Uhr früh ganz allein ins Bett geht ;-)
Aber, beginnen wir von vorn.
Der viel zu früh verstorbene Bernhard Breuer war wohl einer der besten deutschen Winzer, ein Vordenker, nach dessen Ideen heute der VDP seine Klassifikation promotet. Der Präsident des Verbandes deutscher Prädikatsweingüter, Michael Prinz zu Salm-Salm ehrte ihn posthum in einer ergreifenden Rede.
Dieser Weine wegen fuhren wir nach Rüdesheim, immer schon, so auch heuer. Und ich schicke es voraus, sein langjähriger Kellermeister Hermann Schmoranz hat wieder ganze Arbeit geleistet, Tochter Teresa und Bruder Heinrich Breuer kümmern sich nun um die Geschicke des Weingutes, während Heinrichs Frau Susanne mit leidenschaftlichem Einsatz die Gastronomie und das Hotel im Rüdesheimer Schloss schupft. Einfach zum Wohlfühlen.
Das beginnt bei Rheingau-Tapas, die geräucherte Forelle, diverse Schmankerl vom Wildschwein bis zu typischen Wurst- und Pasteten-Spezialitäten der Region um 2,- Euro pro Sorte umfassen, geht über herzhafte regionale Spezialitäten, die dann auch „Rebenräuber“ (13,-), „Himmel und Erd“ (11,-) oder einfach „Sau guud“ (11,-) heissen – wer nicht warten will bis er hin kommt, auf der Website gibt's die Auflösung - ein Gedicht ist die mit Datteln und Feigen gefüllte Schloss-Ente (für 2 Personen à 17,-), bis zum ausgezeichneten „Schnutedunker“ ein Zander auf Lauchgemüse und Kartoffelpüree (15,-); und – nicht zu verachten – dem vielleicht besten Schweinsschnitzel „Wiener Art“ (11,-) ausserhalb Wiens, das hier „Ebbes von der Wutz“ heisst.
Im hübschen Schlosshof, der bei Schlechtwetter einfach überdacht werden kann, schwirrt eine äusserst aufmerksame Service-Frauschaft herum und liest einem die Wünsche förmlich von den Augen ab.
Heinrich Breuer begrüsst uns mit einem Gläschen ausgezeichnetem Riesling-Sekt. Das stimmt uns auf die zu erwartende hohe Qualität der Weine ein. Und so ist es auch. Schon die „Einstiegsweine“ Rauenthal und Rüdesheim Estate sind perfekt gelungen und schöne Speisenbegleiter. Der „Terra Montosa“ kann mit Duft und feingliedriger Art, mit Frucht und Charme punkten.
Hier schmeckt die Lage.
Im Bild: Berg Schlossberg. Danach die vier Lagenweine des Hauses, die in ihrem grandiosen Spiel aus Frucht, Mineralik und Ausdruck begeistern und uns alle schmerzhaft daran erinnern, wie sehr Bernhard gerade jetzt am Tisch fehlt. Nonnenberg, Roseneck, Rottland und schliesslich Schlossberg zeigen vor, wo die Spitze der deutschen trockenen Rieslinge hin gehört.
Überraschend schön auch die Kollektion der restsüssen Weine, sowie gewohnt gut die Grauburgunder. Überzeugen können auch Pinot Noir und Spätburgunder „B“.
Nach einem kurzen Zwischenspiel mit Mas D’Andrum 2003, einem südfranzösischen Projekt von Bernd Philippi, das mit Kraft und Würze erfreute, ging es aber erst richtig los. Denn die Weinkarte des Restaurants im Breuerschen Schloss geht bis ins 18. Jahrhundert zurück und Susanne und Heinrich Breuer wollten uns offensichtlich verwöhnen..
Zuerst kam der 2000er Schlossberg, der zeigte, wie gut ein Wein aus dem Katastrophenjahr sein kann, wenn man damals radikal reduzierte und auf die Qualität achtete.
Mein Liebling. Nonnenberg 1999.
Darauf folgte einer meiner absoluten Riesling-Lieblinge weltweit: Der 99er Nonnenberg, dem ich seinerzeit schon 96 Punkte gegeben hatte und immer überzeugt war, das sei ganz gross. Und ich bekam die Bestätigung im Glas. Alles, was grosser Wein braucht: Mineralität, Frucht, Eleganz, Struktur, Tiefe, Schmelz, Länge. Hmmmm. Hoffentlich gibt’s noch ein paar Flaschen davon für die nächsten Jahrzehnte.
Ein 68er fiel wegen Kork aus. Also kam halt ein 1959er. Langwerth von Simmern „Cabinet“ Riesling Spätlese. Malzig mit viel Frucht und Spiel, frisch und jugendlich, wenn auch ganz leicht anoxidiert, vermutlich war der Kork nicht hundertprozentig dicht, aber das tat dem Genuss keinen Abbruch.
Der Höhepunkt des Abends war aber dann eine „Steinberger“ Spätlese Naturrein, ein „Kabinett-Wein aus dem Staatsweingut Eltville aus 1953. So klar und frisch, herrliche Frucht, knackige Säure, feingliedrig und lang, da beginnt man die restsüssen Rieslinge zu verstehen, sie müssen nur alt genug sein.
Bleibt nur noch den Breuers für die Gastfreundschaft zu danken, es war ein wunderbarer Abend mit launigen Gesprächen, wunderbarem Essen, einem Super-Service und einem wunderbaren Zimmer. Danke.
Hier ein paar kurze Notizen zu den verkosteten Weinen.
2004 Rauenthal Estate.
Fruchtig, schon sehr trinkfreundlich, mit zarter Restsüsse, sehr harmonisch, guter Speisenbegleiter. 80 Punkte.
2004 Rüdesheim Estate.
Fein mineralisch, Steinobst und Zitrusnoten, sauberer, einfacher Speisenbegleiter. 82 Punkte.
2004 Terra Montosa.
Sehr duftig, floral und fruchtbetont, zarte mineralische Würze, ausgewogen, gut balanciert, feingliedrig und spritzig, gute Länge. 87 Punkte.
2004 Grauer Burgunder.
Duftig, nach Birnen und ein wenig Haselnuss, frisch fruchtig, knackiges Spiel mit zartem Schmelz, ordentliche Länge. 83 Punkte.
2004 Grauer Burgunder „B“.
Kräftiger Duft nach Birnen, Biskuit und zart nach Haselnuss. Am Gaumen schmelzig, saftig, mit feiner Struktur in kräftigem Körper, sehr fein balanciert, rund und doch mit knackigem Spiel, gute Länge. 88 Punkte.
2004 Rauenthal Nonnenberg.
Noch sehr verhalten im Duft, etwas Steinobst und mineralische Noten. Am Gaumen feingliedrig, elegant mit mineralisch straffer Struktur, herrliches Frucht-Säure-Spiel, hat Tiefe und Länge. 93 Punkte.
2004 Rüdesheim Berg Roseneck.
Üppiger, fast tropisch anmutender Duft, sehr mineralisch am Gaumen, druckvoll und rund, vollmundig, sehr gut balanciert und lang. 88 Punkte.
2004 Rüdesheim Berg Rottland.
Duftig, florale Noten, Steinobst und Limetten. Am Gaumen rassige Zitrusfrucht, elegante Struktur, kühle mineralische Noten, animierend und lang. 90 Punkte.
2004 Rüdesheim Berg Schlossberg.
Noch verhalten im Duft nach Marillen und würzige mineralische Noten. Am Gaumen kräftiger Körper, dicht und vollmundig mit Tiefe und Schmelz, sehr saftig und lang nachhallend. 92 Punkte.
2003 Pinot Noir.
Dunkler Beerenduft, straffe Struktur mit knackigem Spiel und guter Länge. 84 Punkte.
2003 Spätburgunder „B“.
Klassischer Burgunder Duft nach Himbeeren und Weichseln, am Gaumen sehr saftige Frucht, dicht und vollmundig mit mineralischer Würze, straffe Struktur, elegant und im langen Abgang ein wenig verspielt. 89 Punkte.
Danach verliess mich die Lust zu notieren, es siegte der Genuss.
2004 Rheingau Riesling Auslese.
84 Punkte.
2004 Rüdesheim Bischofsberg Auslese.
87 Punkte.
2004 Rüdesheim Berg Rottland
Riesling Auslese Goldkapsel.
90 Punkte.
2004 Rüdesheim Berg Schlossberg
Riesling Auslese Goldkapsel.
93 Punkte.
2004 Rüdesheim Berg Schlossberg
Riesling Beerenauslese.
91 Punkte.
2004 Rheingau Riesling Auslese.
84 Punkte.
2004 Rüdesheim Bischofsberg Auslese.
87 Punkte.
2004 Rüdesheim Berg Rottland
Riesling Auslese Goldkapsel.
90 Punkte.
2004 Rüdesheim Berg Schlossberg
Riesling Auslese Goldkapsel.
93 Punkte.
2004 Rüdesheim Berg Schlossberg
Riesling Beerenauslese.
91 Punkte.
Kompliment an Kellermeister Hermann Schmoranz.
Hier noch die Links:
Zum Weingut: http://www.georg-breuer.com
Zu Restaurant und Hotel: