Ostbahn - Das Buch.
Sad's vuasichtig und losst's eich nix gfoin!
Diese höchst informative und - besonders wichtig - zitierbare Neuerscheinung lässt das Herz jedes Fans höher schlagen. Graphisch etwas übertrieben wild gestaltet (aber bunt und lustig hat ja auch was für sich) versammelt das Buch diverse Interviews mit den betroffenen Musikern sowie Artikel zu verschiedenen Gebieten der Kurtologie – verfasst von Menschen aus dem Ostbahn-Dunstkreis sowie den üblichen Verdächtigen der Geistes-Wissenschaft (Rotraud A. Perner, Wendelin Schmidt-Dengler, Wolfgang Maderthaner et al.) und anderen Experten (spannend: der Ex-Vorstand des Wiener Sicherheitsbüros, Max Edelbacher, über den Kurtl als Krimiheld).
Besonders bemerkenswert: auch die Fans kommen zu Wort, so beispielsweise Franz Deckenbach, der Betreiber der wichtigsten Fan-Homepage bzw. Menschen wie Joachim Steinacher und Reinhard Jelinek, die allen Ernstes mehrere Hunderte Ostbahn-Auftritte mit ihrer Anwesenheit beehrt haben (und spätestens am Ende des Buches beneidet man sie darum). An dieser Stelle sei jeder gewarnt, der die berüchtigten Manifestationen des Ostbahn’schen Daseins (Kampusrummel, Sommerkonzert in der Arena, Hohe Warte, Der letzte Walzer, etc.) nie frequentieren konnte: Spätestens nach der Berichterstattung über das – zugegebenermaßen qualitativ umstrittene - Hohe-Warte-Konzert im Sommer 2003 unter dem Titel „Was ich im Sommer erlebt habe“ wird es Ihnen leid tun.
Der Kurtl und i
Viele der Geschichten sind „der Kurtl und i“-Gschichteln – manchmal nervt das, weil man doch mehr über den Protagonisten des Buches wissen wollte. Aber andererseits macht ja genau das die Qualität seiner Musik und von Günter Brödls Texten aus (und zeigen Sie mir einen Ostbahn-Fan, dem es anders geht): man fühlt sich berührt und persönlich involviert, versetzt in Situationen in denen man eigentlich niemals war und erinnert an ganz andere persönliche Geschichten – die Lieder sind untrennbar mit dem eigenen Erleben derselben verbunden. Wie sagt Willi Resetarits so schön „Wir dachten nur über etwas nach, das es gibt, und haben nichts erfunden“.
Berührend ist ebenso das sehr persönliche Schlussinterview mit Resetarits himself 8 Tage nach kurtologischem Badeschluss (im Café Grillparzer, das ja eigentlich nicht mehr existiert!?). Wenn man’s gelesen hat, tut es einem doppelt leid, dass „ois sei End“ hat. Aber so ganz wirklich stimmen tut das ja nicht, auf Herrn Resetarits’ Präsenz in der Musikgeschichte werden wir ja so bald nicht verzichten müssen - und alle Alben vom Kurti haben wir ja für akute Notfälle zuhause.
Grandiose und andere Fotos
Noch kurz zur graphischen Aufarbeitung: es gibt ein paar grandiose Bilder vom Willi (schlafend in der Hängematte, liegend ein Achtel schlürfend, auf Mutterns Sitzbank mützend, etc.). Es gibt ein paar grandiose vom Kurt vor Publikum und ein paar – endlich werden wir gewürdigt – vom Publikum selbst (und das auf Seite 43 mit der Martini-Flasche bin leider nicht ich). Dazwischen gibt’s als Füllmaterial ein paar verschwommene Bilder (ist das grad in, dass man die auch verwendet?) und überhaupt ist das ganze Buch von der Graphik her „Flyer-fähig“. Nur leider braucht’s ja für Kurti-Konzerte keine Flyer mehr. Schluchz. Aber: wenigstens haben wir jetzt ein (Zweit-) Buch und zwei verlässliche Homepages zum nachlesen.
Ostbahn – die offizielle Hompage.
Espresso Rosi – die grandioseste Fan-Page, die sich ein Musikant nur wünschen kann, inkl. Fotos und Set-Lists von allen möglichen und unmöglichen Konzerten.
Text: Julia Pühringer
Zum np-buchverlag
Lukas Beck
Die offizielle Ostbahn-Homepage
Espresso Rosi